Gerrit van Honthorst: Lebenslust im Kerzenschein

Gerrit van Honthorst
Lebenslust im Kerzenschein

Aufregende Perspektiven in ungewöhnlicher Beleuchtung sind seine Spezialität. Dafür wird der holländische Maler Gerrit von Honthorst schon zu Lebzeiten geschätzt. Auch zeitgenössische Sammler geben inzwischen hohe einstellige Millionensummen für seine Bilder aus.
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FlorenzDass Caravaggio einer der einflussreichsten Künstler des 17. Jahrhunderts war, hat die Forschung erst in den letzten 50 Jahren fundamental aufgearbeitet. Großen Sammlern und Museumsleitern war das schon immer klar und sie zögerten nicht, Werke der wichtigsten Adepten seiner Hell-Dunkel-Malerei anzukaufen. Dabei standen nicht nur die italienischen Meister dieser barocken Stilrichtung, sondern auch ihre niederländischen Zeitgenossen im Blickpunkt; vor allem aber die Künstler der Utrechter Malerschule, von denen nicht wenige in Rom ihre stärksten Impulse empfingen.

Im Dreigestirn ihrer Protagonisten, zu denen Hendrik Terbrugghen und Dirck van Baburen gehören, ist Gerrit van Honthorst (1590-1656) der geschmeidigste und langlebigste. Die Uffizien in Florenz widmen diesem erst in den letzten fünf Jahren zum heiß begehrten Marktmillionär avancierten Maler eine chronologisch gehängte Einzelschau.

„Gerard der Nachtstücke“

Drei der vier ausgestellten Gemälde aus dem Besitz des Museums wurden bereits im 17. Jahrhundert von den Medici-Regenten erworben, was für die frühe Wertschätzung dieses Holländers spricht, dem seine italienischen Zeitgenossen dank seiner Vorliebe für Kerzen- und Fackelbeleuchtung den Rufnamen „Gherardo delle notte“ (Gerard der Nachtstücke) gaben.

Volle zehn Jahre hat der Schüler von Abraham Bloemaert seit 1610 in Rom gearbeitet, wo er in dem Kardinal Scipione Borghese, dem großen Mentor Caravaggios, seinen wichtigsten Förderer fand. Caravaggio selbst, der bereits 1609 verstarb, hat er nicht mehr selbst erlebt, aber seine Bilder in der Sammlung des Kardinals, in Kirchen und in anderen römischen Kollektionen (Conti, Mattei, Doria Pamphilj) gesehen und aus deren Studium seine eigene künstlerische Handschrift gewonnen.

Eigene Lösung für Lichtführung

In Florenz sind bahnbrechende Werke versammelt. Auch seinem Einfluss auf holländische, italienische und französische Meister wird mit exzellenten Beispielen nachgespürt. Leider haben sich die holländischen Museen mit Leihgaben zurückgehalten. Mit einer Ausnahme: das Amsterdamer Rijksmuseum hat den „Violinisten mit Weinglas“ nach Florenz geschickt. Diese nach der Rückkehr ins Heimatland 1623 entstandene Halbfigur eines uns fröhlich Zuprostenden hat eine räumliche Wirkung, die sich stark von den Musikantenporträts seiner Utrechter Zeitgenossen abhebt.

Doch schon im Jahrzehnt vorher sucht und findet Honthorst eigene Lösungen für ein Bildprogramm. Es bedient sich der in der römischen Künstlergemeinde favorisierten Themen. Das früheste, in Florenz ausgestellte Gemälde, eine „Verspottung Christi“ aus der Kirche Immacolata Concessione in Rom, wurde lange als eigenhändiges Werk angezweifelt, gilt jetzt aber aufgrund der Lichtführung und der im Katalog herausgehobenen Qualität der Christusfigur als authentisch. Als Paradebeispiel eines an Caravaggio geschulten Nachtstücks ist die vom Radiallicht einer Fackel nur partiell erhellte Szene, in der Judith das Schwert kurz vor der Enthauptung des Holofernes zieht (im Besitz der Pariser Galerie Didier Aaron, die das Nachtbild 2013 mit 3 Millionen Euro bezifferte).

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