Geschenke in letzter Minute (2)
Erotischer Tagtraum

"Augusto, der Richter", eine phantastische Geschichte von Ingo Schulze, entfaltet ihren Reiz durch den Dialog mit den lebhaften Feder-Zeichnungen tanzender Paare von Peter Schnürpel. Ein ideales Geschenk für Kunst- und Literaturfreunde, Romliebhaber, Vorleser und Verliebte.
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DÜSSELDORF. Schmal, sinnlich und vielschichtig ist eine der seltenen künstlerischen Koproduktionen des Jahres 2010: "Augusto, der Richter". Sie empfiehlt sich besonders Kunst- und Literaturfreunden, die keine Zeit für dickleibige Schmöker haben. Der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller Ingo Schulze hat eine schwebend leichte Erzählung geschrieben, die im Rom unserer Tage spielt. Im Zentrum steht eine Zufallsbekanntschaft des Ich-Erzählers, ein junger Tunichtgut namens Augusto. Der ist alles, vor allem aber Lebenskünstler und Verführer. Der Autor lässt den Leser am Ende selbst entscheiden, was die Geschichte ist: ein erotischer Tagtraum, ein Erlebnisbericht oder die raffinierte Reflexion über die Verführungskraft des Wortes.

Man kann den schönen Band allein lesen. Viel schöner ist es aber, die Begebenheiten um Augusto dem Liebsten oder der Liebsten vorzulesen, dafür eng zusammenzurücken und die mit vibrierendem Strich hingefetzten Zeichnungen von Peter Schnürpel gemeinsam zu betrachten. Die Zeichnungen sind keine Illustration der Geschichte. Sie sind unabhängig davon auf Notiz - und Kanzleipapieren entstanden, und passen doch ausgezeichnet. Schnürpel, der vorzügliche Zeichner und Graphiker der Leipziger Schule, umkreist das Thema Liebe und Eros, Tod und Lust in einer Folge lavierter Federzeichnungen, die auf die mittelalterlichen Totentänze anspielt. Die Ekstase in höchstem Glück aber auch die kämpferische Auseinandersetzung mit dem anderen Geschlecht packt den Blätternden unmittelbar.

Ingo Schulze, Peter Schnürpel
Augusto, der Richter
Prestel Verlag, 25 Euro

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