Gesellschaft
Glücklich machen oft die einfachen Freuden im Leben

Wer von Glück spricht, meint oft einen Gewinn im Lotto. Oder er freut sich über einen Schirm, wenn es zu regnen beginnt - Glück ist eben nicht gleich Glück, sagt der Münchner Psychologe Stephan Lermer.

dpa HAMBURG. Wer von Glück spricht, meint oft einen Gewinn im Lotto. Oder er freut sich über einen Schirm, wenn es zu regnen beginnt - Glück ist eben nicht gleich Glück, sagt der Münchner Psychologe Stephan Lermer.

„Glück haben und glücklich sein, ist nicht dasselbe, ebenso wenig wie Glück und Zufriedenheit identisch sind.“ Das wahre Glück sei aber nicht das äußerlich wahrnehmbare, sondern ein Gefühl. „Deshalb kann jeder Mensch glücklich sein - unabhängig von seinem Einkommen, seinem Aussehen, seiner Intelligenz oder seinem Wohnort“, erläutert Lermer.

Trotzdem scheint es immer wieder interessant zu sein, in Umfragen das Glücklichsein und den Wohnort in Beziehung zu setzen: Glaubt man etwa einer aktuellen, am Montag vorgelegten Studie im Auftrag des Männermagazins „Men's Health“ (Mai-Ausgabe), dann ist eher glücklich, wer im Süden der Republik wohnt - zumindest für Männer soll dies nach der Untersuchung des Instituts für Rationelle Psychologie in Stuttgart gelten. In München, Stuttgart, Wiesbaden, Karlsruhe und Freiburg leben der Studie zufolge, für die in Deutschland rund 3 200 Männer befragt wurden, die glücklichsten Männer im Land.

In Ostdeutschland, wie in Leipzig, Magdeburg oder Chemnitz, herrsche dagegen eher Tristesse im Männerherz. Bremen, Berlin und Bielefeld tummelten sich irgendwo im Mittelfeld.

Nun gibt es aber viele verschiedene Maßstäbe, Glück zu definieren und auch zu „messen“. Und so sind die Bremer - Männer und Frauen - einer anderen aktuellen Studie zufolge sogar Glücks-Spitzenreiter. Bei der Befragung des Forschungsinstituts Explorandum im Auftrag der Kreditkartenfirma Visa Europe von 1 077 Frauen und Männern kam heraus, dass - durchschnittlich betrachtet - die unglücklichsten Deutschen im Saarland und in Sachsen-Anhalt leben. Die Menschen im Süden Deutschlands und im Westen lagen bei dieser Befragung bei fast allen Antworten zum Glücksgefühl den Angaben zufolge im Mittelfeld.

Ja, was denn nun? Sind die Süddeutschen nun glücklich oder nicht? Und sind die Ostdeutschen alle todtraurig? „In Leipzig gibt es ebenso glückliche Menschen, wie es in München unglückliche gibt“, sagt Lermer. Beide Untersuchungen zeigten aber eine Tendenz, betont der Psychologe. „Dass die Münchner sich so glücklich fühlen, liegt auch an der wirtschaftlichen Stärke der Region“, vermutet Lermer. Ebenso sei im Osten - der wirtschaftlich weniger leistungsfähig sei - die Stimmung in vielen Gegenden gedrückt. „Manche Befragte scheinen Glück mit Geld und materiellem Auskommen verwechselt zu haben“, gibt Lermer zu bedenken.

Insgesamt stellt die zweite Studie den Deutschen - auch in Zeiten großer Probleme wie der hohen Arbeitslosigkeit sowie vielen Debatten um Rente und Kindermangel - beim Glück eine eher gute Note aus: 64 Prozent der Bundesbürger sehen sich in ihrem Alltag als glücklich oder zufrieden. Nur 13 Prozent bezeichnen sich als unzufrieden. Es seien „die einfachen Freuden im Leben“, die die Deutschen glücklich machten wie das Zusammensein mit Partnern und Familie, Sonnenschein oder ein Kuss, stellen die Forscher fest.

Nun ist es seit Menschengedenken ein großes Ziel, Glück zu finden - und zu halten. Heutzutage soll bei der Suche nach dem Glück der Buchmarkt helfen, Ratgeber zum Glücklichsein bietet er viele. Dabei, so betont Lermer, komme das wahre Glück von innen. Grundsätzlich könne der Mensch seine Portion Glück im Leben mitbestimmen. „Wenn wir an der Glücksschraube drehen wollen, müssen wir an der Einstellungsschraube drehen“, empfiehlt Lermer. „Jeder sollte sich vornehmen, Begebenheiten, auch wenn sie nicht so gut gelaufen sind, positiv zu interpretieren - nach dem Motto: Wenn's regnet, wird im Saal getanzt.“

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