Gesellschaft
Nicht nur für Manager - Sprechtraining kann im Alltag helfen

Frankfurt/Main (dpa/lhe) ­ Die Angst kroch Annalisa bereits auf dem Weg ins Klassenzimmer den Nacken hoch. Kaum hatte die junge Lehrerin die Tür hinter sich geschlossen und mit piepsiger Stimme ihren Viertklässlern „Guten Morgen“ gewünscht, gab es die ersten Gröhler.

Frankfurt/Main (dpa/lhe) ­ Die Angst kroch Annalisa bereits auf dem Weg ins Klassenzimmer den Nacken hoch. Kaum hatte die junge Lehrerin die Tür hinter sich geschlossen und mit piepsiger Stimme ihren Viertklässlern „Guten Morgen“ gewünscht, gab es die ersten Gröhler.

Die hohe und so gar nicht sichere Stimme der Frau war der Grund für den Spott. Etliche Erfahrungen dieser Art folgten, bis sie sich entschloss, die professionelle Hilfe eines Sprachtrainers in Anspruch zu nehmen.

Während Rhetorikseminare seit Jahren von Managern und Karrierewilligen gut gebucht sind, galt das reine Sprech- und Stimmtraining lange eher als etwas für Radio- und Fernsehmoderatoren. Neben dem festen Händedruck und dem direkten Blick in die Augen des Gegenübers muss aber auch die Ausbildung der Stimme und das Erlernen von Atemtechnik zum Handwerkszeug von Führungspersönlichkeiten gehören - davon ist der Sprech- und Stimmtrainer Frank Gutjahr überzeugt.

„Die Stimme entscheidet viel öfter über Sympathie und Erfolg als man glaubt“, sagt er. „Manchmal ist die Unsicherheit in der Sprache ganz offensichtlich zu hören, oft auch nur unterbewusst. Gerade Kinder entwickeln dafür ein feines Gespür.“ Dabei sei gar nicht mal die Tonlage entscheidend, meint der 35 Jahre alte ehemalige Schauspieler. Auch eine tiefe Stimme könne Unsicherheit ausstrahlen. „Unsere Laute werden viel zu oft unterschätzt. Dabei lässt sich doch mit ein bisschen mehr Bewusstsein auch viel mehr sagen.“

Gutjahr hat eine Trainingsschule für Stimm- und Sprechtraining in Oberursel. Mit Sprech- und Atemübungen, aber auch Körpertraining und gestellten Konfrontationssituationen, in denen er einen frechen Schüler mimt, festigte er das Auftreten von Annalisa. Heute hat die 28-Jährige wieder Freude an ihrem Beruf und sagt: „Es hat ein Jahr gedauert, Geld gekostet, aber ich bin froh über die geleistete Arbeit.“

Die Sprechtrainerin Elisabeth Böhm vom Frankfurter „Logo Institut“ weist ihre Schüler immer wieder auf eine wichtige Sache hin: „Authentisch sein!“ Bei ihr lernen überwiegend ältere Männer in Führungspositionen. „Das Verstellen der Person fängt bei der Stimme an.“ Instinktiv merkten nicht wenige Personalchefs, wenn etwas nicht stimme. „Das liegt vor allem am falschen Ton“, sagt die Trainerin Böhm.

Die 34 Jahre alte Managerin Monika Heidenfelder ist sich bewusst, wie wichtig eine geschulte Stimme ist. Auf Empfehlung der Personalabteilung nahm die Teamleiterin im IT-Bereich der Lufthansa an einem Sprechtraining teil. In ihrem Job führt sie viele Mitarbeitergespräche, in denen es stets auf den richtigen Ton ankommt. „Durch das Training kann ich meine Stimme besser steuern, bin ruhiger geworden und strahle viel mehr Sicherheit aus“, sagt Heidenfelder. Als willkommenen Nebeneffekt habe sie sich während der Schulung gleichzeitig ihren unterfränkischen Akzent ausgetrieben. Die - vom Arbeitgeber gezahlten - 1 400 Euro Kursgebühr für die zwanzig Stunden, die sie in einem dreiviertel Jahr absolvierte, haben sich nach ihrer Meinung gelohnt.

Eine lizenzierte Ausbildung oder einen organisierten Verband gibt es unter den Sprechtrainern nicht. Böhm kritisiert, dass es auch schwarze Schafe auf dem Markt gebe. „So machen sich zum Beispiel ehemalige Nachrichten- oder Werbesprecher selbstständig und ziehen die Kunden mit ihren berühmten Namen an, ohne dabei aber fundiertes Wissen über Stimmen zu haben.“ Nicht jeder talentierte Fußballspieler sei auch ein guter Trainer, betont die Sprecherzieherin.

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