Gesellschaft
Zukunft der Erotik: Spaß am Sex statt Goldene Hochzeit

Verändert sich eine Gesellschaft, verändert sich auch ihr Liebesleben und eine neue Kultur des Erotischen entsteht. Sieben Sexstile hat Sozialforscher Matthias Horx für seine Studie „Sexstyles 2010“ im Auftrag des Erotikkonzerns Beate Uhse ermittelt.

dpa HAMBURG. Verändert sich eine Gesellschaft, verändert sich auch ihr Liebesleben und eine neue Kultur des Erotischen entsteht. Sieben Sexstile hat Sozialforscher Matthias Horx für seine Studie „Sexstyles 2010“ im Auftrag des Erotikkonzerns Beate Uhse ermittelt.

„Inszenierung und Individualisierung werden zu wichtigen Komponenten des Liebeslebens. Selbstbewusste Frauen und die Generation 50plus formulieren auch in punkto Sex ihre eigenen Ansprüche“, schreibt der Trendforscher. Er hat auch für andere Altersgruppen deren aktuelle Vorlieben analysiert, und das liest sich dann knapp gefasst so:

Überinformierte Einsteiger: Teenager im Alter zwischen 14 und 20 Jahren wissen heute „wesentlich früher und detaillierter über Sex Bescheid als jede Generation zuvor“. Sie holen sich Rat am Jugendtelefon oder in Internetforen und wachsen mit kühnen Werbekampagnen sowie Kondomwerbung auf. „In dieser medialen Welt hat Sex für Jugendliche nichts Verruchtes, Verbotenes mehr“, sagt Horx. Doch beim „ersten Mal“ seien sie ebenso unsicher wie ihre Altersgenossen früherer Jahrzehnte.

Young Experimental Couples: Für Paare im Alter zwischen 20 und Anfang 30 dient Sex der „bewussten Aufwertung des Liebeslebens und der Beziehungsqualität“. Erotische Inszenierung und Experimentierfreudigkeit werden selbstverständlich. „Die jungen Paare legen Wert auf stilvolles Ambiente und hochwertige Produkte.“

Cool Cats: Selbstbewusste, emanzipierte und gebildete Frauen unter 35 Jahren ergreifen die sexuelle Initiative. Sie angeln sich Männer, die ihnen gefallen, meint der Soziologe. Sie seien die Erotikstrateginnen schlechthin.

Pleasure Parents: Eltern im Alter zwischen 30 und 45 Jahren nehmen sich laut Horx ganz bewusst Auszeiten vom Alltag mit Kindererziehung und Berufstätigkeit, um ein für sie knappes Gut zu genießen: „guten, lustvollen Sex“. Es müsse das Ziel sein, Eltern Freiräume für erotische Erlebnisse zu schaffen, denn „guter Sex bedeutet auch gute Eltern“, bilanziert Horx.

High Performer: Paare und Singles (30 bis 50 Jahre), für die Sex und erotische Ausstrahlung eine wichtige Funktion für ihr Selbstbild und ihr Auftreten haben. Zum Persönlichkeitsprofil gehören demnach perfektes Aussehen, Jugendlichkeit, Sportlichkeit und Fitness; Sex ist das Hobby.

Lover Ladies: Gut situierte Karrierefrauen genießen ihre Freiheiten auch beim Thema Erotik; Extravaganz, Niveau und Stilbewusstsein sind für sie prägend. Sie haben „Lust an der Lust“, jüngerer Liebhaber nicht ausgeschlossen.

Sex Gourmets: Frauen und Männer im Alter ab 50 Jahren genießen ihre Beziehungen sehr bewusst. „Sie gehören zur ersten Generation älterer Menschen, die von sich sagen: „Wir sind sexuell frei!“, schreibt der Zukunftsforscher. Sexuelle Bedürfnisse zu haben und sie auszuleben, sei nicht länger allein das Vorrecht der Jugend. Das sei die zweite, die „silberne“ sexuelle Revolution, meint Horx. In der eigenen Wahrnehmung empfänden sich die 50-Jährigen eher als 35, die 65-Jährigen als die 50-Jährigen. Dieses „Downaging“ (Herabstufen im Alter) habe massiven Einfluss auf Wirtschaft, Gesellschaft, Konsum und beim Sex, resümiert Horx. Die Zahl der über 75-Jährigen, die sich vom Partner trennten, sei heute doppelt so hoch wie vor zehn Jahren. Insbesondere Frauen gäben ihr „unbefriedigendes Eheleben“ auf und entschieden sich anstelle der „Goldenen Hochzeit“ für neue Freiheiten.

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