Gespaltenes Verhältnis
Wenders gegen das Vergessen

Im Hauptberuf ist Wim Wenders Reisender. Im Nebenberuf Filmregisseur und Fotograf - dem das Löschen von Digitalfotos ein Gräuel ist.

Einmal“, schrieb Wim Wenders vor zehn Jahren, „war ich in Pittsburgh, Pennsylvania, wo es genauso roch wie in Oberhausen im Ruhrgebiet, wo ich aufgewachsen bin“. Und einmal sei er wochenlang kreuz und quer durch Texas gefahren. Wenn er Texas mit einem einzigen Bild definieren müsste, wäre es „ein alter Mann mit einem Cowboyhut“.

Als Wenders, Jahrgang 1945, diese Mini-Geschichten für das von Schirmer/Mosel verlegte Buch „Einmal“ erzählte, war er schon einige Jahre Fotograf. Seit 1984, streng genommen, und zwar im „Nebenberuf“, sagt er. Auch Filmregisseur ist für ihn nur ein Nebenberuf. Im Hauptberuf ist Wim Wenders Reisender. An diesem Samstag wird er in Berlin mit dem Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) ausgezeichnet – für sein visuelles Gesamtwerk.

Die erste, in fotokünstlerischer Hinsicht ergiebige Reise führte ihn 1983 nach Texas. Dort suchte er, ausgerüstet mit zwei Kameras, nach Motiven für sein Filmvorhaben „Paris, Texas“ (1984). Mit der handlichen Leica machte er mehrere Tausend Fotos, „um nichts zu vergessen“. Die Bilder hatte Wenders beim Drehen später alle dabei.

Mit der Mittelformatkamera Plaubel Makina fotografierte er, weil er lernen wollte, mit den Farben des amerikanischen Westens umzugehen. Diese Fotos waren, sagt er heute, „meine innere Vorbereitung, um zu dieser Landschaft einen unmittelbaren Zugang zu haben, um die Scheu vor ihr zu verlieren“, um nicht immer nur zuerst an die amerikanischen Regisseure John Ford oder Anthony Mann zu denken. 1986 wurden sie in Paris, im Centre Pompidou, ausgestellt. Diese erste große Ausstellung machte ihn als Fotografen bekannt.

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