Gianna Nannini ist wieder da und hat ihr Herz an Berlin verloren. Hier will sie nicht nur singen, sondern auch wohnen
Der Schulchor wollte sie nicht

Gianna Nannini liebäugelt mit einer Wohnung in Berlin - weil dort Musiker aus vielen Ecken der Welt zusammenkommen und so viel Neues entsteht. Die lebhafte italienische Rocksängerin mit der dunkelrauen Stimme hat halt ihre Fans in Deutschland. Ihr Start als Sängerin in Italien war etwas holperig. Sie wurde nicht in den Chor ihrer Grundschule aufgenommen.

Vor dem Schloss Neuhardenberg sieht Gianna Nannini ein kurioses dreirädriges Fahrrad der Verwaltung, steigt belustigt auf und kurvt eine Runde. „Gianna!“ rufen ein paar Leute. Fröhlich winkt sie zurück. Es ist schon ein seltsamer Kontrast. Eine lebhafte italienische Rocksängerin, die aus dem Renaissance-Städtchen Siena stammt, findet ein strenges, klassizistisches Preußen-Schloss von Karl Friedrich Schinkel vor, 80 Kilometer östlich von Berlin.

Hinter dem schneeweißen Gebäude, im Park, den Peter Joseph Lenné und Hermann Fürst von Pückler-Muskau gestaltet haben, findet sich ein Denkmal für Friedrich II. Der war einer der größten Feldherrn seiner Zeit. Doch jetzt dient er als Schmuck für eine Antimilitaristin, die den Irak-Krieg verurteilt hat. Daneben, im Schlosspark, ist Gianna Nanninis Bühne aufgebaut. Die steht nun fast genau an jener Stelle, wo Bundeskanzler Gerhard Schröder einst sein Kabinett für die Sitzung über die Hartz-IV-Beschlüsse zusammengetrommelt hatte.

Doch die Nannini ist nicht bloß eine Sängerin, sie interessiert sich auch für die Frage, wie hoch die Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland ist, ob die Menschen hier in dieser ländlichen Gegend an der Grenze zu Polen Beschäftigung in der Landwirtschaft finden und ob die Deutschen Unterschiede spüren zwischen Osten und Westen.

Mit ihrer dunkelrauen Sprechstimme, die so viele Italienerinnen haben, sagt sie, ihr sei aufgefallen, dass die Menschen im Osten denen in Süditalien ähnelten. Sie seien freundlicher, langsamer und kümmerten sich mehr ums Leben als ums Geschäft. „Und Berlin ist für mich einzigartig, weil hier Musiker aus vielen Ecken der Welt zusammenkommen und so viel Neues entsteht“, schwärmt Gianna Nannini. „Ich habe einen Fuß in Berlin“, sagt sie.

Ihr Plan, statt in Mailand sich eine Wohnung in der deutschen Hauptstadt zu mieten, der hat sich allerdings noch nicht konkretisiert. Aber sie ist immer wieder für Wochen bei Freunden zu Gast. Und stellte in der Hauptstadt schon ihren eigenen Wein vor, für den sie in der heimischen Toskana Trauben kauft und ihn dann keltert.

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