Glass-Oper „Satyagraha“
West End Story

Der Amerikaner Philip Glass gibt in London den Takt an: Dort führt er derzeit seine Oper „Satyagraha“ über Mahatma Gandhi auf. Die beinah gebetsmühlenartigen Dauerwiederholungen einzelner Tonfolgen sind das Horrorszenario für jeden Geiger – doch die Oper ist ein Pflichtausflug für Kulturpilger.

DÜSSELDORF. Es ist schon komisch, dass ausgerechnet ein Amerikaner in der English National Opera mit „Satyagraha“ das Leben des Inders Mahatma Gandhi auf die Bühne bringt: einmal um die ganze Welt – im Namen der Freiheit. Ein Glück nur, dass Philip Glass nicht auch noch in Boston geboren wurde. Aber die britischen Musiker müssen sich auch so an dem Werk ganz schön abarbeiten, galt der musikalische Minimalist Glass doch lange als beinah unspielbar. Live zumindest. Die beinah gebetsmühlenartigen Dauerwiederholungen einzelner Tonfolgen sind das Horrorszenario für jeden Geiger, Sehnenscheidenentzündungen werden einkalkuliert.

Das Werk des Maestros hat trotzdem wenig Einlullendes und die – für Glass’sche Verhältnisse – opulente Inszenierung tut ihr Übriges, um mit wachen Augen der Vorstellung zu folgen. Falls man nicht zuvor eine Überdosis West End genossen hat, denn auf der Straße pulsiert ein anderer Beat. Beat? Richtig. Das altmodische Wort aus den 60ern hat im West End seinen Ursprung. Carnaby Street, Twiggy, Miniröcke – als London noch „swinging“ war. Aber, was heißt hier war? Das Viertel zwischen Themse und Trafalgar Square, zwischen Oxford- und Regent Street pulsiert. Beim Blick in die Shops der Lokalmatadoren Alexander McQueen und Stella McCartney kann in den Hirnzellen des erfahrenen Fashionista der Gedanke keimen: „Haven’t we seen all this before?“ Das Modekarussell dreht sich schnell, aber zuweilen im Kreis. Wenn auch spektakulär.

Die Shops der beiden Edeldesigner liegen – wie kann es anders sein – im West End. Also können Operngäste noch schnell vor der Vorstellung auf (Wieder-) Entdeckungstour gehen, mit einem angenehmen Nebeneffekt: Der Auftritt in der Oper ist nicht nur für das gefeierte Ensemble glänzend. Sondern auch für Zuschauer im frisch gekauften West-End-Look.

Für ein Wochenende gibt es im West End genug zu erleben. Mit einem nicht zu verachtenden Pluspunkt: Die selbst auferlegte regionale Beschränkung macht autark; keine Taxen – also keine Stausteherei, keine Subway – also nicht eng gedrängt bei Tunnelmief, lieber laufen, lautet das Motto. Und natürlich am liebsten nah am Grün – das Metropolitan Hotel ist fünf Minuten vom Piccadilly entfernt gelegen, in unmittelbarer Nähe des Hyde Park.

Und wer vom Park die Nase voll hat (es ist Heuschnupfenzeit!), der kann naturnahe Kunst auf dem Teller betrachten. Im Hotel befindet sich das Nobu, dessen Küche ist exzellent. Noch londonesquer schlemmt es sich in Club-Atmosphäre. Hier, in der Wiege der geschlossenen Veranstaltungen gibt es eine semi-durchlässige Adresse: Das Embassy kann auch von Nichtmitgliedern besucht und genossen werden.

Wer Mitglied im Club der gut gedeckten Kreditkarten ist, geht auf die New Bond Street. Juwelier Graff empfängt die Bestbetuchten nicht nur mit exquisitem Geschmeide, die funkelnden Preziosen werden in einem beinah privaten, historisch anmutenden Ambiente präsentiert. Ebenfalls auf der New Bond: der Uhrmacher Harry Winston oder der Shop der Ledermarke Mulberry. Wer sich oder andere reich beschenken will, dem gelingt das mit Swing am besten. Genau richtig für West End Boys (und Girls). Der Song zum Viertel stammt leider nicht von Philip Glass, der ist von den Pet Shop Boys.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%