Globales Deutschland: Der Champion zeigt Gefühle

Globales Deutschland
Der Champion zeigt Gefühle

Die Globalisierung ist ungerecht, denken viele Deutsche. Doch gerade in der Krise sei weltweit gemeinsames Wirtschaften gefragt, meinen die Wirtschaftswissenschaftler Michael Hüther und Thomas Straubhaar in ihrem neuen Buch. Literarische Unterstützung bekommen sie aus den Unternehmen.
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BERLIN. Zwei Bücher über Deutschland im Zeitalter der Globalisierung: Die Ansätze könnten unterschiedlicher nicht sein. Siegele und Zepelin haben eine originelle, in der Bundesrepublik seltene Perspektive gewählt: Sie blicken von einem der wichtigsten Unternehmen – SAP – aus auf die Stellung und Chancen Deutschlands in einer globalisierten Welt. Die Ökonomen Hüther und Straubhaar dagegen nähern sich dem Thema von einem kulturell-politischen Phänomen her, nämlich der wachsenden Bedeutung gefühlter Ungerechtigkeit in der Bundesrepublik.

Siegele und Zepelin verbinden die SAP-Geschichte, die auch eine Geschichte sehr unterschiedlicher Temperamente ist, mit allgemeinen wirtschaftlichen Fragen. Unternehmenssoftware ist besonders eng mit der Art verbunden, in der moderne Firmen funktionieren und künftig organisiert sein werden. Damit sind sie gleichzeitig ein Miniaturkosmos der Globalisierung und ihr Treiber. Software wird zum Rückgrat der internationalisierten Wirtschaft.

Die beiden Autoren, die in zweieinhalb Jahren mit 50 Mitarbeitern von SAP gesprochen haben, darunter der gesamten Führungsebene, haben beide lange als Technologie-Korrespondenten in Silicon Valley gearbeitet. Sie kennen also beide Seiten: Deutschland und die Software-Supermacht USA, was dem Buch ein ausgeprägt internationales Flair gibt. Siegele und Zepelin lassen sich weder von deutscher noch von amerikanischer technologischer Selbstzufriedenheit beeindrucken, sondern stellen das Für und Wider der ganz unterschiedlichen Arten, Software zu entwickeln und zu vermarkten, immer wieder gegeneinander.

Den eigentlichen Wert des Buches macht aber aus, dass Siegele und Zepelin keine betriebsblinden Bits- und Bytes-Fans sind, sondern den Kopf frei haben für gesellschaftliche Entwicklungen. Software für betriebliche Anwendungen sehen sie als Vollendung der doppelten Buchführung: Sie steigert die Effizienz des Kapitalismus, weil sich Unternehmen damit viel genauer und schneller durchleuchten und auch steuern lassen. Warum sind Deutsche ausgerechnet hierbei erfolgreich, wieso ist der Software-Gigant SAP in Süddeutschland entstanden und nicht in Silicon Valley? Siegele und Zepelin sehen die Ursachen in einer guten Portion Zufall, der deutschen Betriebswirtschaftslehre und unserer sprichwörtlichen Begeisterung für gediegene Technik.

Die allerdings habe einen Hang zur Schwerfälligkeit, und genau das werde zum Problem für SAP: Die große Starrheit der Programme stecke die Unternehmen in eine Zwangsjacke. Das aber passe nicht mehr zur neuen wirtschaftlichen Dynamik, in der Firmen immer schneller auf sich verändernde Bedingungen reagieren müssen. Der Schlüssel für den Erfolg jedes Unternehmens sei künftig die Bereitschaft, seine Kernkompetenz stets neu zu definieren, Randbereiche abzustoßen und die eigene Organisation anzupassen. Unternehmen würden künftig funktionieren wie Software. Da klingt manches etwa techno-deterministisch.

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