Glutofen
Küchengerät vom Kirchen-Bildhauer

Wenn ein Kirchen-Bildhauer einen Herd gestaltet, läuft das unter heiße Kunst. Den Glutofen in Silber oder Gold zu gießen ist jedoch eine etwas überhitze Idee.

Zu seinem 80. Geburtstag bekam der Papst Geschenke aus aller Welt. Das vom Bayerischen Städtetag war ganze vier Meter hoch. Die Interessenvertretung hatte vom Bildhauer Joseph Michael Neustifter eine Säule in Form einer Schriftrolle gießen lassen. Auf der Säule weisen die jeweiligen Schutzheiligen auf die bayerischen Lebensstationen von Ratzinger alias Benedikt XVI. hin: Marktl am Inn, Freising, Regensburg und München. Dazu stellte man für den Papst bedeutsame theologische Texte. Doch final bekommt Benedikt sein Geschenk erst im Sommer: Dann soll die Bronzeplastik erst aufgestellt werden. Der Papst wünscht sie sich am Platz vor der Kirche San Clemente in der Stadt Velletri, in der Nähe seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo.

Wie der Städtetag auf Neustifter kam, ist nicht weiter schwer zu erraten. Der niederbayerische Künstler hat bereits über 200 Skulpturen auf öffentliche Plätze gestellt. Brunnenmännchen, Handwerker, Gedenktafeln. Außerdem hat er über 80 Kirchenräume gestaltet und zahlreiche Altäre gegossen. In Marktl durfte er zudem eine ähnliche Säule errichten – kurz vor dem Papstbesuch im vergangenen Jahr.

Nun hat der Papst ja erst am Palmsonntag gepredigt, Geld, Karriere und Erfolg könnten nicht Ziel des Lebens sein. Wer also schnöden Mammon in etwas Werthaltigeres umwidmen will, für den gibt es eine heiße Lösung: Neustifter hat für eine niederbayerische Ofenfirma ein Modell entworfen, das auf den urbayerischen Namen „Huraxdax“ hört, Untertitel „Eiserner Hund Nummer 5. Huraxdax heißt so viel wie Elan, Ausgelassenheit, Aufbruch zur Freude. Ein etwas seltsamer Begriff für einen Ofen, der stattliche 190 Kilo auf die Waage bringt und eher für alle Zeiten unverrückbar daherkommt. Und vor dem man eher einen ruhigen, besinnlichen Abend verbringt.

Aber vielleicht spielt der Begriff ja auf das Gefühl an, das einen überkommt, wenn man sein Geld kurzerhand für einen Ofen hergibt. Wir reden hier freilich nicht von der gusseisernen Version für etwas über 2 000 Euro. Den Huraxdax gibt es auch in Sterlingsilber und in Gelbgold. 170 Kilo bringt die Edelvariante auf die Waage – das meiste davon ist Silber. In Gold sind es sogar noch mal 90 Kilo mehr. Rund 135 000 Euro muss man für den Silberbrenner hinlegen. Der Preis steht und fällt mit dem Edelmetallkurs. In Gold sind derzeit rund 3 150 000 Euro fällig.

Wer Bedenken hat, das Edelmetall könne sich im Heizbetrieb möglicherweise verformen oder gar verflüssigen, den kann man beruhigen: Silber schmilzt erst jenseits von 900 Grad, die Oberfläche wird jedoch im Heizbetrieb maximal 350 Grad heiß. Sicherheitshalber wurden jedoch der Hitzeschild, der Rost und die Feuerumlenkung aus Gusseisen gefertigt.

Bleibt noch die Frage, ob sich Benedikt nicht noch mehr über den kleinen Ofen gefreut hätte. Denn auch im Vatikan sehnt man sich manchmal nach Wärme. Und zur Not hätte er ihn jederzeit für soziale Projekte versilbern können.

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