Goethe-Institut
Wie Kultur zum Exportschlager wird

Tanztheater als Wirtschaftsfaktor - und Kostenpunkt für den Steuerzahler: Das Goethe-Institut investiert bei einem einmaligen Kooperationsprojekt mit Kanada in Montreal bis zu einer Million Euro in ein neues Gebäude.
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MontrealIm Zentrum der kanadischen Stadt Montreal entsteht ein Bezirk, der Vielfalt und Lebendigkeit des kulturellen Lebens der größten Stadt Quebecs widerspiegelt. Museen, Theater, Konzertsäle, Kinos und Zentren für Medienkunst prägen bereits jetzt den Kulturbezirk „Quartier des Spectacles“.

Hier wird in diesem Jahr das Goethe-Institut, das seit 50 Jahren in Montreal aktiv ist, eine neue Heimstatt finden. Bis zu eine Million Euro investiert die deutsche Bundesregierung in die Neugestaltung des Erdgeschosses eines historischen Gebäudes am Boulevard St. Laurent. Mit seiner Fensterfront von nahezu 70 Metern wird es im wahrsten Sinne des Wortes ein Schaufenster für aktuelle deutsche Kultur sein.

Das zehngeschossige Backsteingebäude an der Ecke St. Laurent und Rue Ontario  hat in seiner hundertjährigen Geschichte viel erlebt. Es war Schnapsbrennerei, Druckerei, Textilfabrik und Quartier für Künstler. Dann wurden in den oberen Stockwerken Eigentumswohnungen geschaffen.

Auch das Erdgeschoss wollte der Investor verkaufen. Aber Mechtild Manus, seit 2004 Leiterin des Goethe-Instituts, hatte ein Auge auf das Gebäude geworfen. Da der Mietvertrag für den jetzigen Sitz des Instituts in der Rue Sherbrooke ausläuft, war sie auf der Suche nach einer neuen Bleibe. „Wir wollten im Quartier des Spectacles bleiben“, erklärt sie. „Wir suchten einen Ort im kulturellen Herzen Montreals, der Unesco-Hauptstadt des Design, in der Nähe des neuen Tanzzentrums, des Museums für zeitgenössische Kunst und von Ex-Centris, dem größten Programmkino Montreals.

In Gesprächen mit den Architekten des Auswärtigen Amtes und der Goethe-Zentrale sowie dem Deutschen Generalkonsulat wurde das Konzept für die Neugestaltung des Erdgeschosses ausgearbeitet. Deutschland wird nicht Eigentümer, die Investition wird aber durch einen langfristigen Mietvertrag zu günstigen Konditionen gesichert. Noch ist der Innenraum fast leer, nur einige Betonpfeiler sind zu sehen. Durch  hohe Fenster fällt Tageslicht in das Innere. Energie-effizient und umweltfreundlich wird gebaut, so dass das Institut nach der nordamerikanischen Klassifizierung für ökologisches Bauen mit LEED Silber (Leadership in Energy and Environmental Design/Führung in energie- und umweltfreundlichem Design) bewertet werden kann.

Eine offene Gestaltung für Bibliothek und Verwaltungsarbeit ist vorgesehen, ein „kultureller Korridor“ führt durch das Institut mit vier Klassenräumen und einem Multimedia-Saal. Für die Innengestaltung werden deutsche Design-Möbel von Konstantin Grcic und Dieter Rams nach Montreal gebracht.

„In der Unesco-Hauptstadt des Design wollen wir auch ein Schaufenster für deutsches Design sein“, erläutert Mechtild Manus. Ein Teil der Fensterfront wird für die Projektion von Videokunst genutzt. Den Anfang wird bei der für Herbst geplanten Eröffnung eine Präsentation der Kunsthochschule für Medien in Köln machen, und die Professoren Matthias Antlfinger und Ute Hörner werden an der Concordia-Universität einen Workshop für Medienkunst anbieten.

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