Gold in der Kunst
Hauptsache echt

Schlicht und einfach „Gold“ nennt sich eine Ausstellung im Wiener Belvedere. Sie huldigt einem Materialfetischismus, ohne an ihn Fragen zu stellen. Außerdem krankt die Schau an zu vielen Kunstwerken mittelmäßiger Qualität.
  • 0

WienDer einstige Direktor des Wiener Kunsthistorischen Museums, Wilfried Seipel, besaß eine gewisse Vorliebe für Ausstellungen über das Gold; egal, ob aus Mexiko, Moskau oder sonst wo her, das Haus prunkte gerne mit dem Edelmetall. Drei Jahre nach Seipels Abgang zieht nun das Wiener Belvedere nach: Die aktuelle Schau, kuratiert von Thomas Zaunschirm, heißt schlicht und einfach „Gold“. In einem Punkt kann der hauseigenen PR kaum widersprochen werden: Mit seinen zahlreichen mittelalterlichen Goldgrundbildern, seinem goldenen Kabinett und seiner Klimt-Sammlung eignet sich das Haus wie kaum ein anderes in Wien für das Thema.

Darüber hinaus notiert Hausherrin Agnes Husslein-Arco im Katalog, dass man eine „grundsätzliche Revision“ der Vorstellung von Gold in der Kunstgeschichtsschreibung anpeile. Denn schließlich gehe dessen Verwendung weit über das Sakrale und Transzendentale hinaus. Ein dicker Ausstellungskatalog vereint Beiträge zu allen möglichen Gold-Themen, über den Goldgrund im Mittelalter ebenso wie über die Materialästhetik des 19. Jahrhundert, das Gold in der Kunst nach 1945 bis hin zu technischen Aspekten. Ein Sammelsurium unterschiedlichster Aufsätze, die mit der Ausstellung nicht sehr viel gemein haben.

Schwerpunkt Gegenwartskunst

Die Schau selber konzentriert sich auf die Gegenwartskunst. Untergeordnete Rollen spielen die mittelalterliche Malerei, der Jugendstil, vertreten etwa durch Emil Orliks „Japanischen Garten“, oder die klassische Moderne, für die beispielsweise Willi Baumeisters „Mauerbild mit Metallen“ steht. Die Malerei des Mittelalters ist im „Prunkstall“ des Belvedere zu sehen. Dass er nicht wie bisher nur am Vormittag geöffnet ist, sondern ganztags, gehört zu den wenigen positiven Aspekten dieser Ausstellung, die 125 künstlerische Positionen umfasst.

Unkritischer Materialfetischismus

Augenfälligstes Problem der Ausstellung ist die hohe Zahl an Kunstwerken mediokrer Qualität. Ihre Auswahl ist offenbar allein durch die Verwendung von – echtem – Gold motiviert. Die Authentizität des Goldes scheint ein bedeutendes Kriterium für die Auswahl der Kunstwerke gewesen zu sein. Damit unterwirft sich Kurator Zaunschirn freilich einem Materialfetischismus, den er gerade in einer derartigen Ausstellung hätte hinterfragen können. Außerdem wird dadurch die Auswahl drastisch eingeschränkt. Man hätte spannenderes Material finden können als Blattgold-Leinwände diverser No-Name-Künstler am laufenden Meter, ein mit Gold bemaltes Boot (Karl Manfred Rennertz) oder Ikonen, die statt einer Heiligenfigur Kurt Cobain oder Jimi Hendrix zeigen (Peter Murphy). Freilich gibt es auch aufregende Arbeiten. Dafür stehen etwa die Namen von Nedko Solakov, John Armleder oder Richard Hamilton. Auch vor den Werken von Lucy Skaer, Franz West oder Gabriel Orozco lohnt es sich länger zu verweilen.

Kommentare zu " Gold in der Kunst: Hauptsache echt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%