Goldener Bär für Rumänien: Osteuropäer räumen Berlinale-Preise ab

Goldener Bär für Rumänien
Osteuropäer räumen Berlinale-Preise ab

Elend, Verbrechen, Gewalt und Hoffnungslosigkeit - osteuropäische Filme voller tragischer, düsterer Geschichten holen die Berlinale-Bären. Für die Deutschen gibt es keinen Preis. Ein politisches Signal geht in den Iran.
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BerlinFilme aus Osteuropa sind die großen Gewinner der 63. Berlinale - die Deutschen gingen (fast) erwartungsgemäß leer aus. Der Goldene Bär wurde erstmals nach Rumänien vergeben. Die Jury unter Vorsitz des chinesischen Regisseurs Wong Kar Wai („In The Mood For Love“) zeichnete mit dem Hauptpreis Calin Peter Netzers Drama „Die Stellung des Kindes“ („Pozitia Copilului“) aus - eine atemberaubende Geschichte über Schuld, Verantwortung und Korruption, die zu den Favoriten des Festivals zählte.

Die Jury vergab die insgesamt acht Bären im Wettbewerb an sieben verschiedene Filme. Jury-Präsident Wong betonte bei der Preisverleihung am Samstagabend, die Jury habe „Filme feiern“ wollen. Insgesamt konkurrierten 19 Filme um die Auszeichnungen.

Gleich zwei Preise holte der halbdokumentarische Film „Eine Episode aus dem Leben eines Metallsammlers“ („Epizoda u zivotu beraca zeljeza“) von Oscar-Preisträger Danis Tanovic („No Man's Land“) aus Bosnien-Herzegowina. Der Film erhielt den Großen Preis der Jury, eine besonders begehrte Auszeichnung. Tanovics Hauptdarsteller Nazif Mujic, ein Laiendarsteller, nahm außerdem den Silbernen Bären als bester Schauspieler entgegen. Der Roma spielt in dem Film zusammen mit seiner Frau und den Kindern eine reale Episode aus dem harten, ärmlichen Leben der Familie nach.

Einen Silbernen Bären für die beste Kamera erhielt Aziz Zhambakiyev für seine streng komponierten Bilder im kasachischen Adoleszenz-Drama „Harmony Lessons“ („Uroki Garmonii“) von Regisseur Emir Baigazin - eine Studie über Gewalt an einem dörflichen Gymnasium.

Der Gewinnerfilm „Die Stellung des Kindes“ („Pozitia Copilului“) analysiert eine schwierige Mutter-Sohn-Beziehung. Nachdem ihr Sohn mit dem Auto ein Kind überfahren und getötet hat, versucht die neureiche Cornelia (Luminita Gheorghiu), ihn mit allen Mitteln vor Strafe zu bewahren. Sie will Polizisten und einen Zeugen, ja sogar die in Armut lebende Familie des Opfers bestechen. „Das ist ein Problem und das beschreibt die Realität“, sagte der 37-jährige im rumänischen Petrosani geborene und in Stuttgart aufgewachsene Netzer der Nachrichtenagentur dpa über die Korruption in Rumänien.

Über eine persönliche Tragödie erzählt der Regisseur die Tragödie einer Gesellschaft, die alle Menschlichkeit an Geld- und Machtgier verkauft. Netzer setzt auf die Überzeugungskraft von fast dokumentarisch anmutenden Bildern mit einer sehr beweglichen Handkamera. Das Publikum kommt so den Figuren ganz nah. Der Film läuft in Rumänien am 8. März an, für Deutschland gibt es noch keinen Termin für den Kinostart.

Zahlreiche rumänische Filmemacher bejubelten den Goldenen Bären für Netzers enthusiatisch. Sie sehen darin eine Bestätigung, dass die „neue Welle“ des rumänischen Films andauert. Der Preis sei „gut für den rumänischen Film, dem eine Menge Kritiker bereits den Untergang vorausgesagt haben“, sagte Jungregisseur Cristi Puiu („Der Tod des Herrn Lazarescu“).

Produzent und Regisseur Tudor Giurgiu betonte, der rumänische Staat solle nunmehr „aufwachen und verstehen, dass der rumänische Film unterfinanziert ist und dass Kinos geschlossen werden“. Auch Regisseur Stere Gulea, einer der Altmeister des rumänischen Films, freute sich über die „Kontinuität“ der Erfolge seiner jungen Kollegen. Er bedauerte allerdings, dass Netzers Hauptdarstellerin Luminita Gheorghiu keinen Preis bekam. Gheorghiu spielt die Hauptrolle in Guleas neuem Film „Sunt o baba comunista“ (etwa: „Ich bin ein kommunistisches altes Weib“).

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