„Good evening gentlemen and prostitutes“
Borat bereut nichts

Der britische Star-Satiriker Sacha Baron Cohen erobert mit seinem neuen Film „Borat“ die Metropolen. Doch seine Rolle des gleichnamigen dumm-dreisten Reporters aus Kasachstan stößt bei Moral und Sittenwächtern auf Kritik. Ungeachtet dessen bleibt Cambridge-Absolvent Cohen seiner Linie des subversiven Witzes treu. Zur Filmpremiere fuhr „Borat“ im Eselskarren vor.

HB LONDON. „Nirgendwas wird geändert an meine Film“, polterte „Zentralasiens bekanntester Star“ in gebrochenem Englisch vor Reportern in London. „Borat haben in Kasachstan Spitzenreiter von Kinobestliste verdrängt. Das war „King Kong“ - ohne Pause seit 1933.“

Ein Riesenerfolg ist dem britischen Filmsatiriker Sacha Baron Cohen in der Rolle des dummdreisten kasachischen TV-Reporters Borat Sadiyev auch im Rest der Welt sicher, wo „Borat“ in dieser Woche die Kinocharts erobern dürfte. Als kraushaariger, schnauzbärtiger Borat hat Cohen in den letzten Tagen noch einmal die Werbetrommel für seinen cineastischen Lachmuskelstrapazierer gerührt - vermutlich völlig unnötig. Schon jetzt hat der Streifen Kultstatus. Wie ein Schlachtruf hallt Borats „kasachische“ Begrüßung „Jagshemash!“ durch die Metropolen - keineswegs zur Freude der diplomatischen Vertretungen Kasachstans.

Zur Europa-Premiere im Herzen Londons erschien der schlaksige „Reporter“ im Eselskarren, der von 30 leicht bekleideten Mitgliedern seiner wilden Verwandtschaft gezogen wurde. Ein Anblick, bei dem Erlan Idrissow nicht fröhlich sein konnte. Als „Saukerl“ hatte der kasachische Botschafter in Großbritannien den Komiker öffentlich beschimpft. Cohen sei „blöde, aggressiv und ohne jeden Charme“, schrieb Idrissow ausgerechnet im liberalen „Guardian“. Leser konnten sich kaum halten vor Lachen über so viel aufrechte Empörung. Nicht zuletzt, weil der Botschafter allen Ernstes als Gegenentwurf zu Borats bewusst grotesken Blödeleien die Rede von Premierminister Tony Blair auf dem jüngsten Labour-Parteitag empfahl. Blair habe ein Beispiel für positiven Humor geliefert.

Dabei ist Kasachstan keineswegs Cohens Angriffsziel, sondern nur ein Hilfsmittel. Seine geniale Methode zur Vorführung bigotter, rassistischer, sexistischer, schwulenfeindlicher und antisemitischer Schwachköpfe in Amerika bestand darin, sich als Hinterwäldler aus einem unterentwickelten Land auszugeben.

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