Google Print
Probelesen im Netz bei Google

Pünktlich zum Start der Frankfurter Buchmesse hat Google in acht europäischen Ländern eine Testversion seines Services Google Print freigeschaltet. Mit Google Print verfolgt der Suchmaschinen-Betreiber das ehrgeizige Projekt, möglichst viele publizierte Bücher zu scannen und per Volltextsuche abfragbar zu machen.

HB DÜSSELDORF. Außer in Deutschland ging der Dienst auch in Frankreich, Italien, den Niederlanden, Österreich, Schweiz, Belgien und Spanien an den Start. Der Dienst war bislang nur in den USA verfügbar. Nutzer können bei Google Print den digitalen Bestand nach Suchworten durchforsten und einzelne Buchseiten, auf denen der Begriff gefunden wurde, probelesen. Sie können allerdings keine kompletten Bücher herunterladen. Für Verlage und Nutzer ist das Angebot kostenlos. Google verdient an den Anzeigen, die Verlage und Onlinehändler schalten, bei denen das Werk gekauft werden kann.

In den USA streiten sich Google und der Verlegerverband allerdings noch darüber, ob der Onlinedienst sämtliche Bücher ohne die jeweilige Zustimmung der Urheberrechtsinhaber digitalisieren dürfe. Der US Association-Verlegerverband of American Publishers (AAP) teilte gestern Abend mit, dass die Verbandsmitglieder Klage gegen Google eingereicht haben, nachdem Verhandlungen zwischen den Parteien zuvor gescheitert waren.

"Während das Angebot in den USA auf zwei Säulen fußt - dem Verlags- und Büchereiprogramm -, basiert der europäische Teil von Google Print ausschließlich auf der Kooperation mit Verlagen", sagt Stefan Keuchel, Pressesprecher von Google Deutschland. Wie viele deutschsprachige Bücher über die Suchmaschine unter http://print.google.de durchforstet werden können, dazu hüllt sich das Unternehmen in Schweigen.

Wer in der deutschen Version von Google Print Suchbegriffe eingibt, bekommt zurzeit nur wenige Treffer. "Noch ist das Angebot eingeschränkt", sagt der Google-Sprecher. Das Angebot wachse aber täglich. Für die Verlage sei vor allem wichtig, dass sie Bücher einem breiteren Publikum zugänglich machen könnten. "So wie man vor dem Kauf einer Musik-CD in einzelne Musikstücke hineinhören kann, kann man über Google Print schauen, ob ein Buch zu einem Thema das bietet, was man sucht", erläutert Keuchel.

Dass die Marketing-Idee funktioniert zeigt Amazon. Der Online-Buchhändler nutzt die Volltextsuche bereits seit über einem Jahr in den USA und seit Sommer auch in Deutschland, um den Umsatz zu steigern. Und das mit Erfolg. Durch den Service "Search Inside" seien in den USA in den ersten zwölf Monaten nach Start von den teilnehmenden Titeln durchschnittlich sieben Prozent mehr verkauft worden, sagt Christine Höger, Pressesprecherin von Amazon.de.

Seit dem Start im Juli können Kunden unter www.amazon.de/searchinside in mehr als 100 000 digitalisierten Büchern suchen und Textpassagen rund um den gesuchten Begriff lesen. 120 Verlage seien an dem Projekt beteiligt, heißt es. Der Schwerpunkt des Angebots liegt allerdings bei den Sachbüchern.

Auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat die Volltextsuche als Marketing-Argument erkannt. Der Verleger-Ausschuss will mit seiner Arbeitsgruppe "Volltextsuche" dazu beitragen, dass künftig alle Bücher digitalisiert und über das Internet Probe gelesen werden können. Das Projekt sei aber nicht als Alternative zu Google Print zu sehen, sondern als Ergänzung, sagt Gudrun Bolduan, Geschäftsführerin des Verleger-Ausschusses im Börsenverein. "Wir wollen nur sicherstellen, dass die Verlage ihre Verfügungsgewalt über die Inhalte behalten", sagt Bolduan.

Statt individuelle Verträge mit Google oder Amazon zu schließen und die Digitalisierung ihrer Bestände außer Haus zu geben, sollen Verlage, die sich an der Branchenlösung beteiligen, eigene Datenbestände aufbauen. Diese könnten dann später Suchmaschinen und anderen Dienstleistern zur Verfügung gestellt werden.

In einer weiteren Ausbaustufe soll auf Basis vorhandener Technik ein eigenes Suchprogramm für Bücher entwickelt werden, "damit auch der Buchhandel von der neuen Technik profitiert", sagt die Geschäftsführerin im Börsenverein. Nach den Plänen der Arbeitsgruppe könnte eine solche Suchmaschine im Sommer 2006 fertig sein.

Bis dahin ist allerdings noch einiges zu tun. Die Verlage müssten erst einmal ihre elektronische Ablage auf Vordermann bringen und Inhalte in einheitlichen Datenformaten auf eigenen Servern bündeln, heißt es in einem Artikel zu dem Thema im Börsenblatt. Außerdem sind die Feindaten für den Druck in Grobdaten für die Suchmaschinen umzuwandeln. Das ganze Projekt ist zudem nicht billig. Für die Umwandlung der Daten in PDF-Dateien, die mit einem Reader, der für jedermann zugänglich ist, dargestellt werden können, müssen die Verlage laut einer Machbarkeitsstudie des Börsenvereins zwischen zehn und 100 Euro pro Titel rechnen.

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