GrandArtClub
Kunstkauf im Bett

Rund um die Uhr ein Bild oder eine Skulptur erwerben, ohne das Haus zu verlassen? Möglich macht es der GrandArtClub. Hinter der Online-Verkaufsplattform mit Rundum-Service stehen drei Hamburger Jung-Unternehmer.
  • 0

BonnEinmal mit der Maustaste gezogen und schon hängt die knallbunte Marlene Dietrich des chinesischen Künstlers Musk Ming an der Wand des virtuellen Wohnzimmers. Eine farbig leuchtende Skulptur wie der „Lichtkaktus“ von Christoph Luckeneder würde sich vielleicht auch noch gut machen. Und für das Schlafzimmer böte sich Michael Fieselers realistisch gemaltes Blütenmeer unter blauem Schönwetterhimmel an.

Verglichen mit dem umständlichen Procedere eines Galeriebesuchs ist der Kunsterwerb auf der jetzt frei geschalteten Internet-Plattform GrandArtClub ein Kinderspiel. Dafür braucht der Käufer noch nicht einmal das Bett zu verlassen. Er trifft seine Wahl, entscheidet sich für oder gegen eine Ratenzahlung, lässt anliefern, anbringen oder aufstellen.

Preisgekröntes Startup

„Alle großen Galerien und alle bedeutenden Künstler vereint auf einer Plattform“, umreißt Karol Domagalski, einer der drei Erfinder und Geschäftsführer des Hamburger Startup-Unternehmens, das Ziel des GrandArtClub, der mit einem Stipendium der Europäischen Union und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie arbeitet. Besucher der Plattform finden aktuell 242 Werke von 107 Künstlern und 45 Partnergalerien zum Kaufen und zum Mieten. Tendenz: fast stündlich steigend.

Alles ist schön übersichtlich nach Künstlern oder Kategorien sortiert. Dabei werden alle Geschmäcker und Vorlieben bedient. Niemand braucht sich zu schämen, wenn er ein Kunstwerk nach seiner Lieblingsfarbe, nach Breite, Höhe oder Preis aussucht. Zwischen 500 und aktuell 85.000 Euro liegt das Angebot preislich. Interessenten können aber auch nach klassischen Kriterien suchen, etwa nach Künstlern, Genres wie Fotografie, Malerei oder Skulptur, oder nach Themen. 25 sind zurzeit gelistet, vom Akt über Liebe, Technik, Porträt bis hin zur Medizin.

Absatzchancen für alle Anbieter

Unter den Künstlern sind die großen, bekannten Namen noch in der Minderzahl. Übersichtlich ist das Angebot an Klassischer Moderne. Von Picasso, Joan Miró und Max Beckmann findet sich je ein graphisches Werk in Preislagen zwischen 2.550 und 4.800 Euro. Gerhard Richter ist mit dem Siebdruck „Schweizer Alpen. Motiv B3“ zum Preis von 3.200 Euro vertreten. Die drei teuersten Arbeiten sind eine „Mega-Cactus“-Skulptur von Luckeneder (50.000 Euro), ein korngelbes Landschaftsbild von Bernd Zimmer (42.800 Euro) und die aus Holz geschnitzte Beethoven-Skulptur von Markus Lüpertz, die mit 85.000 Euro ausgepreist ist.

Die Identität der Galerie, die hinter dem jeweiligen Kunstwerk steht, wird erst nach der Kaufentscheidung gelüftet. So erhalten alle Anbieter eines Künstlers eine Absatzchance. Die im GrandArtClub engagierten Partnergalerien sind parallel jedoch mit Bild und Kurzprofil gelistet. Einschlägig bekannte Adressen wie die 1965 gegründete Münchener Galerie Gunzenhausen oder die vor 30 Jahren gegründete Berliner Galerie Crone sind noch in der Minderzahl – anders als zum Beispiel auf der viel kleiner dimensionierten und auf zeitgenössische Kunst fokussierten Plattform The Spotlist. Doch könnte sich diese Zusammensetzung mit der Zeit ändern.

Kommentare zu " GrandArtClub: Kunstkauf im Bett"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%