Graphik
Rekordpreise für Dürer und Gauguin

In London haben starke Graphikauktionen bei Sotheby's und Christie's glänzenden Umsatz gemacht. Hochwertige Druckkunst Alter und moderner Meister ist kein Billigersatz, sondern ein gefragtes Sammelgebiet.
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LondonEinige Besonderheiten im Angebot und eine generell starke Nachfrage machten die Londoner Graphikauktionen wieder zu überzeugenden Demonstrationen eines zwar wählerischen, aber rundum gesunden Sammelgebiets. Sotheby's nahm am 30.3. für eine Auktion von 174 verkauften Blättern 6,1 Millionen Pfund ein - ein Durchschnittspreis pro Blatt von fast 35.000 Pfund: Christie's hatte am Vortag 128 Lose für 3,7 Millionen Pfund verkauft - ein Durchschnittspreis von 29.600 Pfund. Das zeigt, dass Graphik kein Billigersatz "richtiger" Kunst, sondern ein hochwertiges und eigenständiges Sammelgebiet für Spezialisten ist.

Raritäten von Gauguin

Extrem selten war die von Sotheby's angebotene Gruppe graphischer Blätter von Paul Gauguin aus der Sammlung des Connaisseurs Stanley J. Seeger. Bei der Londoner Gauguin-Retrospektive in der Tate gehörte der Raum mit den Holzschnitten und der "Noa Noa"-Serie zu den aufschlussreichsten. Das mag die Bieter zusätzlich bestätigt haben, als diese über die Züricher Galerie August Laube vor Jahrzehnten gesammelten Arbeiten jetzt unter den Hammer kamen.

Preismarken gesetzt

Angeführt wurde die Gruppe von einer Umrisszeichnung eines als Monotypie, also einmaliges Original gedruckten Rückenakts einer Tahitianerin. Das Blatt gehörte einmal dem französischen Bildhauer Aristide Maillol, dann dem Kunsthistoriker John Rewald. Nun auf 180.000 bis 220.000 Pfund geschätzt, bezahlte ein amerikanischer Sammler 577.250 Pfund (663.000 Euro) dafür - einen Rekordpreis für eine Gauguin-Graphik. Dann kam der in Braun und Schwarz gedruckte und mit Buntstift vom Künstler nachgearbeitete Holzschnitt "Le Pecheur buvant" von 1894, aus der Pont Aven-Zeit, aber gezeigt wird kein bretonischer Fischer, sondern ein in ekstatischer Haltung vor seinem Kanu kniender, nackter Eingeborener. Das mythische Blatt verdreifachte die Schätzung mit einem Preis von 361.250 Pfund.

Weitere Blätter der Gruppe kosteten 169.250 und 133.250 Pfund - jeweils an den Amerikaner für das Doppelte oder Dreifache der Schätzung zugeschlagen. Insgesamt brachten die zehn Seeger-Gauguins 1,54 Millionen Pfund - das vierfache der unteren Schätzung. Eine große Provenienz, ein entschlossener Sammler, und Unterbieter, die mithalten konnten, setzten damit eine wichtige Preismarke in diesem Segment.

Die ersten gedruckten Sternkarten

Neben diesen Gauguins war zwei von Dürers astrologischen Tafeln im Angebot: "Die südliche und die nördliche Halbkugel des Himmels", zwei handkolorierte Exemplare, beide in den besonders seltenen ersten Druckzuständen und in scharfer Druckqualität. Es sind die ersten gedruckten Sternkarten überhaupt in Europa. Eine Fusion von Kunst und der Wissenschaft des Ptolemäus, die Dürer unter dem Patronat Kaiser Maximilians in mit den Astronomen Johannes Stabius und Conrad Heinfogel schuf. Wie selten diese Tafeln sind zeigt, dass in diesem Jahrhundert noch kein einziges, geschweige denn ein so hochwertiges Blatt in einer Auktion war. So musste das Antiquariat Daniel Crouch Rare Books die Schätzung (120.000 bis 180.000 Pfund) auf 361.250 Pfund verdoppeln - Rekordpreis für einen Dürer-Holzschnitt.

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  • Nun ist es bekannt, dass die Werke Eugène Henri Paul Gauguins sogar Millionen einbringen und so sind 600.000 oder 700.000 Euro eher bescheiden, auch wenn es sich lediglich um Grafiken handelt. Aber über Preise möchte ich gar nicht sprechen. Die heutigen Preise für ein Gauguin-Werk haben mich aber an etwas erinnern lassen. Ich habe mit großem Interesse Gauguins Briefe gelesen, die er hauptsächlich seinem Freund Daniel de Monfreid geschrieben hat. Gauguin befand sich zu dieser Zeit in seinem bitteren Paradies und er hat auch von Geld geschrieben, hat jeden kleinen Franc zusammengerechnet, den er mit seiner Kunst verdienen wollte, verdienen musste. Er hat aber nicht einmal diese Summen bekommen, hatte am Ende noch Schulden bei den Behörden, bei der Kirche und war auch nicht ohne Schuld als sein Ende kam. Jetzt werden Sie sagen, dass man eine solche Geschichte über zahlreiche Künstler berichten kann. Das mag sein, mir sind aber eben nur Gauguins Brief eingefallen und dass ich sie jetzt ein weiteres Mal lesen werden.
    Hochachtungsvoll, Ihr
    Ole R. Börgdahl

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