Graphikauktionen
Neue Spitzenpreise für Ensor

Keine Aufregung und keine Ausreißer – das ist das Fazit der Londoner Graphikauktionen. Die Preise bleiben stabil. Gute Preise spielen Blätter von James Ensor, Rembrandt und Andy Warhol ein.
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LondonEinen Höhepunkt seltener Art bescherte auf den Londoner Graphikauktionen das fast vollständige graphische Werk von James Ensor (1860-1949). Es stammt aus dem Nachlass der vor zehn Jahren gestorbenen Pariser Händlerin Mira Jacob. Versteigert wurde das Konvolut mit Sonderkatalog bei Christie’s am19. März 2014. Jacob war eine Bewunderin des belgischen Sonderlings und trug die Sammlung über Jahrzehnte zusammen. Mit 141 verkauften Blättern von insgesamt 154 angebotenen wurden 1,3 Millionen Pfund eingespielt. Nach Wert entsprach das einer Rückgangsrate von 6 Prozent. Wie erwartet wurde das Preisniveau für Ensor auf ein neues Niveau gehoben.

Fünf Spitzenlose wurden teurer als der bisherige Höchstpreis aus dem Jahre 2007, woran man auch sieht, wie selten, aber auch unmodisch diese kleinteiligen Blätter in einer Zeit sind, der es auf Erkennbarkeit und schnellen Genuss ankommt. Den Rekordpreis bewilligte ein Privatsammler für eines der prägnantesten Motive, das handkolorierte Blatt mit den sieben Todsünden, „dominiert vom Tod“. Mit 134,500 Pfund kam es weit über seine Schätzung von 25.000 bis 35.000 Pfund. Mehrere Blätter hatte Jacob aus der Sammlung des Autors der ersten Ensor-Monographie, Albert Croquez, der sie seinerseits von Ensor selbst hatte. Dazu zählte etwa „Diables rosant Anges et Arcanges“, eine Prügelei zwischen Teufeln und Engeln, taxiert bis 35.000 Pfund und verkauft für 88.900 Pfund.

Kolorierte Blätter bringen die höchsten Preise

Anfänglich wurden die alle im 19. Jahrhundert entstandenen Werke als skandalös zurückgewiesen, jedoch Anfang des 20. Jahrhunderts viel von Museen gesammelt. Ensor selbst wandte sich von der Graphik ab, nahm sich aber immer wieder alte Blätter vor, um sie zu kolorieren. Diese bringen nun die höchsten Preise. „L’entrée du Christ à Bruxelles“, Ensors bekanntestes Motiv, hatte die höchste Taxe, kam mit 74.500 Pfund aber nur knapp darüber. Eine andere Version hatte 2007 den bisherigen Rekordpreis von 74.400 Euro gebracht. Ensor bleibt ein Minderheitengeschmack: 14 Blätter der Sammlung konnte man für 1.000 Pfund oder weniger ersteigern.

Für die Allgemeinauktionen bei Sotheby’s und Christie’s galt, dass auf stabilem Niveau geboten wurde, aber ohne große Ausreißer. Christie’s nahm 3,4 Millionen Pfund ein, mit Rückgängen von 26 Prozent nach Wert und 31 Prozent nach Losen. Gute Preise gab es für Rembrandt-Blätter aus dem Nachlass Lilian Honor Lewis, die seit über 80 Jahren nicht gesehen waren. Die „Landschaft mit drei Bäumen“, eines der gesuchtesten Rembrandt-Motive, taxiert auf 150.000 bis 250.000 Pfund, wurde mit 314.500 Pfund Spitzenblatt der Auktion. Exzeptionelle Abzüge der „Drei Bäume“ wie ein von dem Frankfurter Helmut Rumbler in Maastricht gezeigtes Blatt können deutlich mehr als das Doppelte kosten. Wohlfeiler war Rembrandts Jan Lutma-Porträt für 122.500 Pfund. Ein Abzug der „Hütte mit dem Heuschober“ von 1641 kostete schätzgemäße 74.500 Pfund.

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Atempause für den Munch-Markt

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