Großbritannien
Kunst in Zeiten der Sparsamkeit

Gerade erst haben die Nationalgalerien in London und Edinburgh ein herausragendes Tizian-Gemälde angekauft – für 45 Millionen Pfund. Jetzt steht auch Picassos betörendes Frühwerk „Kind mit Taube“ zum Verkauf.
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LondonKaum hat die Londoner Nationalgalerie, im Verbund mit der schottischen Nationalgalerie in Edinburgh, in einem historischen Kraftakt das zweite großen Tizian-Gemälde aus der Bridgewater Collection erworben, stehen Großbritannien neue Kunsttransaktionen von nationaler Bedeutung ins Haus. Das hat die Debatte darüber angeheizt, wie viel Kunst sich eine Nation in Zeiten der Sparsamkeit leisten darf.

Picasso ist nationales Erbe

Auch Picassos großartiges Bild „Kind mit Taube“, derzeit in einer Picasso- Ausstellung der Tate Britain zu sehen, gemalt 1901 zu Beginn der „Blauen Periode“, soll verkauft werden. Die Aberconway Familie, Barone in Wales, haben Christie’s um eine Privatvermittlung gebeten. Das Bild gehörte einst dem Sammler und Institutsgründer Samuel Courtauld, der es seiner engen Freundin, Lady Christabel Aberconway, schenkte. Der Status des Gemäldes als Teil des „Nationalerbes“ wurde durch bisherige Steuerbefreiungen unterstrichen - auch deshalb wurde die Verkaufsabsicht über den Arts Council öffentlich gemacht. Als Richtpreis wurden 50 Millionen Pfund genannt.

Bedürftige Museen

Medien und Kunstfachleute sehen indes wenig Chancen, den Export des Bildes zu verhindern. Der Picasso war als Leihgabe zeitweise in der Nationalgalerie, zuletzt im Courtauld Institut, ist aber keinem Museum wirklich eng verbunden. Auch andere Museen kämpfen derzeit um Kunst. So braucht das Oxforder Ashmolean Museum 7,8 Millionen Pfund aus Spenden, um den Export von Edouard Manets „Portrait der Mademoiselle Claus“ von 1868 zu verhindern. Es ist eine Vorbereitungsarbeit für das berühmte Gemälde „Le Balcon“, das bereits für 28,3 Millionen Pfund ins Ausland verkauft wurde.

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