Guggenheim Abu Dhabi
Künstlerstreik am Golf

Bekannte Künstler haben aufgerufen, das Guggenheim Museum in Abu Dhabi zu bestreiken – weil die Arbeitsbedingungen auf der Baustelle katastrophal sind. Klingt gut, ist aber scheinheilig. Ein Kommentar.
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Es ist schon praktisch, wenn sich alle sowieso am Golf treffen: die Künstler, die Kritiker, die Galeristen und Kuratoren. Die gerade zu Ende gegangene Kunstmesse Art Dubai meldet Besucherrekorde, gute Verkäufe und viel internationale Aufmerksamkeit. Gleichzeitig findet die 10. Sharjah Biennale statt, mitkuratiert von Suzanne Cotter, Kuratorin des künftigen Guggenheim Abu Dhabi. Und ausgerechnet diesen Zeitpunkt nutzen einige Künstler, untern anderem Walid Raad, Emily Jacir und Kader Attia, um vor Ort scharf gegen Guggenheim Abu Dhabi zu protestieren und einen Künstlerstreik anzukündigen. Alles nur Zufall?

Ohne Rechte auf Baustellen

Das Thema ist wichtig, keine Frage. Ausbeutung und katastrophale Arbeitsbedingungen für die auf den Baustellen von Abu Dhabi beschäftigten Fremdarbeiter zumeist aus Indien, Bangladesh und Pakistan kritisieren die Künstler in einer Online-Resolution, die von 130 prominenten Kollegen unterschrieben wurde. Weder gebe es unabhängige Beobachter noch die Möglichkeit, dass die Arbeiter die zum Teil horrenden Anwerbegebühren, die sie im Heimatland gezahlt hätten, erstattet bekommen.

Die Zustände auf den Baustellen, ohne Rechte, ohne Kündigungsmöglichkeiten, oft ohne Pass, gleichen moderner Sklaverei, so auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in mehreren Berichten. Bis das Guggenheim Museum, das sich in Abu Dhabi von Frank O. Gehry einen spektakulären Neubau errichten lässt, für angemessene Behandlung und Bezahlung der auf der Baustelle beschäftigten Arbeiter gesorgt hat, wollen die Künstler nun an keiner Guggenheim-Veranstaltung mehr teilnehmen und auch ihre Werke nicht in die Sammlung geben.

Die Bedingungen verbessern sich

Doch Boykott sieht anders aus. Gegen Guggenheim Abu Dhabi hetzen, aber nach Dubai und Sharjah reisen? Das Thema „Arbeitsbedingungen für Bauarbeiter“ ist in allen Emiraten nach wie vor virulent, sagt Susanne Sporrer vom Goethe-Institut Abu Dhabi. Doch in Abu Dhabi hat man sich nach intern geäußerten Protesten und offenbar externem Druck ohnehin zu Maßnahmen entschlossen.

Die Arbeiter leben in einem eigens gebauten Quartier, es gibt eine unabhängige Kontrollinstanz, die noch verstärkt werden soll, die Pässe werden wieder ausgehändigt. Sicher kann noch viel verbessert werden, muss vieles noch umgesetzt werden, doch ein erster Schritt ist gemacht. Ende letzter Woche hatte denn auch die Gruppe der protestierenden Künstlern von Sharjah aus die Gelegenheit, in Abu Dhabi die Baustelle zu besichtigen. Danach, berichtet Walid Raads Galeristin Andrée Sfeir-Semler, sei er auffällig verhalten am Telefon gewesen. Von Protesten hört man seitdem nichts mehr.

So können sich am Ende alle gut fühlen: Die Künstler haben protestiert, Human Rights Watch hat internationale Aufmerksamkeit auf ein wichtiges Thema gelenkt, das Guggenheim schreibt sich auf die Fahnen, für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen verantwortlich zu sein. Und bei der nächsten Art Dubai, der Sharjah Biennale und der Eröffnung des Guggenheim Abu Dhabi 2015 sind alle wieder dabei. Wollen wir wetten?

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