Guggenheim-Ausstellung
Bewegung als Seinsprinzip

Der Guggenheim Foundation war ihr Stammsitz in New York schon immer zu eng. Sie betreibt inzwischen Dependancen auf der ganzen Welt. Ab Freitag präsentiert die Bundeskunsthalle in Bonn die größte je gezeigte Übersicht der Sammlung.

BONN. Eigentlich ist völlig klar, warum die Guggenheim Foundation sich mit ihrer Kollektion in Bonn präsentiert. Warum sie hier und nicht am Stammsitz in New York die umfassendste je gezeigte Übersicht über ihre Bestände zeigt. Warum sie mit sprachlos machendem Elan weltweit die Gründung von Dependancen vorantreibt und Allianzen schmiedet. Die Bewegung ist ihr Seinsprinzip. Das lehrt ihre Geschichte; das ist ihr Auftrag.

„Ihren Zweck und ihre Ziele“ soll die 1937 ins Leben gerufene Stiftung durch „die Gründung, den Unterhalt und den Betrieb eines oder mehrerer Museen oder anderer geeigneter Orte für die öffentliche Ausstellung von Kunst innerhalb oder außerhalb der Grenzen des Staates New York“ verwirklichen. Der Weisung des Stifters Solomon R. Guggenheim folgen Taten, zunächst in Gestalt von Dauer- und eigens konzipierten Sonderausstellungen in den USA und Europa. 1978 stellt Solomons Nichte Peggy ihren Palazzo am Canale Grande in Venedig zur Verfügung. Die Erweiterung wird ein immer wichtiger werdender Teil der Stiftungsidentität. Inzwischen sind weitere eigene Häuser hinzugekommen: New York, Berlin, Bilbao und Las Vegas. Jetzt kommt als sechstes Standbein Abu Dhabi dazu.  

Wir sind „das erste wirklich globale Museum der Welt“, lautet die Botschaft. Und wir sind „das amerikanische Museum mit europäischem Gesicht“. Das ist für ein amerikanisches Institut keine Selbstverständlichkeit, denkt man etwa an den Berliner Auftritt des Museum of Modern Art, New York, im Jahr 2004 zurück. Die MoMA-Schau erklärt die amerikanische Kunst der Nachkriegszeit zum kunsthistorischen Kanon.

Die Guggenheim-Kollektion bekennt sich zu ihrer transatlantischen Geschichte. Europäer und Amerikaner haben mit teilweise sehr persönlichen Vorlieben an dieser grandiosen Sammlung gebaut. Nun legen in der Bundeskunsthalle in Bonn amerikanische und deutsche Kuratoren ihre Verzweigungen erstmalig frei. Sie feiern die deutsche Baronesse Hilla Rebay mit einem Saal voller Kandinskys. Sie war es, die Solomon Guggenheim zum Aufbau einer Sammlung mit abstrakter Gegenwartskunst animierte. Einige Räume später sehen wir mit Staunen, dass sich Rebay in Paris für Chagall erwärmen konnte.

Auf dem Prüfstein liegen außerdem die Bestände französischer Impressionisten, die der deutsche Kunsthändler Justin K. Thannhauser dem Guggenheim vermacht. Aus der Sammlung des Galeristen Walter Nierendorf stammen die deutschen Expressionisten, aus der Schenkung Katherine Dreiers, einer engen Freundin von Marcel Duchamp, bedeutende Arbeiten von Brancusi, Arp, Juan Gris und Schwitters. Von Peggys Leidenschaften zeugen die Surrealisten und amerikanischen abstrakten Expressionisten, allen voran frühe Gemälde von Pollock.

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