Guillaume Cerutti
Supermanager für Christie's

Guillaume Cerutti spricht die Sprache der Politik. Deshalb konnte er sehr erfolgreich die Interessen des Kunstmarkts vertreten Nun wechselt der langjährige Generaldirektor von Sotheby's Frankreich zu Christie's.
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ParisGuillaume Cerutti, Generaldirektor von Sotheby's Frankreich und Vizepräsident für Europa, wechselt 2016 zum Erzkonkurrenten Christie's. Der 49-Jährige wird Christie's London sowie Kontinentaleuropa, Russland, den Mittleren Orient und Indien leiten.

Cerutti zählt zur „crème de la crème“ der Absolventen, die aus der Elite-Verwaltungs-Akademie ENA (Ecole Nationale d’Administration) hervorgegangen sind. Als er 2007 die Generaldirektion von Sotheby’s Frankreich übernahm, hatte er bereits eine steile Karriere im Kultur- und Finanzbereich hinter sich.

Patricia Barbizets Abwerbeaktion

Patricia Barbizet, Generaldirektorin von Christie's, gelang es nun, den Supermanager abzuwerben. Seit François Pinault vor zehn Jahren seinem Sohn François-Henri die laufenden Geschäfte der Kering-Gruppe überließ, konzentriert sich der 79-jährige Industriekapitän auf die Entwicklung des Auktionshauses Christie's und seine venezianische Sammlung Pinault. Daher leitet die 59-jährige Patricia Barbizet seit Anfang dieses Jahres die weltweiten Geschicke des Auktionshauses, das zu Pinaults Familienholding Artémis gehört.

Barbizet gründete Artémis und ist seit 25 Jahren die rechte Hand des Großsammlers Pinault. Im Musik-, Kultur – und Mäzenatenbereich traf sie immer wieder auf Guillaume Cerutti. Dieser machte sich an der Spitze von Sotheby's substantiell um die Lockerung der gesetzlichen Einschränkungen für die in Frankreich tätigen Auktionshäuser verdient.

Der politische Netzwerker

Cerutti kennt seine ehemaligen Kollegen in den Ministerien, er spricht – und schreibt – deren Sprache und kann so den Gesetzgeber überzeugen. Zum Beispiel von der Möglichkeit zu Privatverkäufen, etwa an Museen, die von Ex-Absolventen der ENA geleitet werden, und die zusehends und wenig transparent die Bilanzen aufbessern. Auch die Nachverkäufe („after sale“) praktizieren die französischen Auktionatoren erst seit 2011, wofür sich Cerutti einsetzte. Bei der letzten Tribal Art Auktion gab Sotheby's an das Musée du Quai Branly einen „after sale vor dem Ende der Auktion“ bekannt, was als merkwürdige Praxis auffiel.

Ceruttis Führungsstil gilt seit seiner Tätigkeit als Generaldirektor des Centre Georges Pompidou (von 1996 bis 2001) und als Kabinettchef von Kulturminister Jean-Jacques Aillagon (2002 bis 2004) als brillant, innovativ und gleichzeitig radikal durchgreifend. Die Nähe von Cerutti zu Aillagon spielt sicher auch eine Rolle bei dieser Nomination, wozu selbstverständlich die guten finanziellen Resultate von Sotheby's in den letzten Jahren kommen.

Restrukturierungsmaßnahmen warten

Als Beobachter hatte man jedoch in den letzten Monaten den Eindruck, dass Cerutti enorm unter Druck stand. Überdies bot ihm das amerikanische Auktionshaus sichtlich keine vergleichbare Managerstellung an. Das trug wohl ebenfalls zu seiner Entscheidung bei, das von ihm mit persönlichem Geschick geleitete Haus Sotheby's zu verlassen. Eine Tätigkeit, die mit der Aufwertung seiner Mitarbeiter und der Pflege der üblichen sozialen Kontakte einherging. Nach einer gesetzlich nötigen Übergangsphase wird er nun etwa Mitte 2016 zur Restrukturierung des wenig rentablen Hauses Christie's beitragen.

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