Haftbefehl von 1978
Roman Polanski in der Schweiz festgenommen

Hinter Gittern statt auf der Bühne: Der weltberühmte Filmregisseur Roman Polanski ist bei der Einreise in die Schweit festgenommen worden. Jetzt droht ihm die Auslieferung in die USA. Grund ist ein US-Haftbefehl wegen Vergewaltigung einer 13-Jährigen aus dem Jahre 1978. Polanski sollte beim Filmfestival Zürich für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden.
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HB ZÜRICH. Grund sei der seit 1978 bestehende Haftbefehl der US-Behörden gegen Regisseur. Polanski ("Der Pianist") soll 1977 in den USA eine 13-Jährige vergewaltigt haben. Dem 76-Jährigen droht die Auslieferung an die USA, bestätigte ein Sprecher des schweizerischen Justizministeriums am Sonntag.

Wo sich Polanski derzeit befindet, sagte der Justizsprecher nicht. Auf die Frage, warum man den Regisseur, der in den vergangenen Jahren häufig vollkommen unbehelligt in der Schweiz war, gerade jetzt festgenommen habe, erklärte: "Wir wussten diesmal genau, wann er einreist." Ob Polanski, der französischer Staatsbürger ist, tatsächlich ausgeliefert wird, müsse nun das Verfahren zeigen.

Die Verhaftung am Flughafen Zürich löste in der Schweizer Filmszene Protest und Empörung aus. Das Vorgehen der Behörden sei nicht nur eine "groteske Justizposse, sondern auch ein ungeheuerer Kulturskandal", schrieb der Verband der Regisseure. Die Verhaftung werde dem Land weltweit Schaden zufügen, kritisierte der Verband Filmregie und Drehbuch. Es sei eine "Ohrfeige ins Gesicht aller Kulturschaffenden in der Schweiz". Polanski hätte am Sonntagabend am fünften Zürcher Filmfestival das "Goldene Auge" für sein Regie-Lebenswerk erhalten sollen. Das Festival in Zürich verschob die geplante Ehrung "auf einen unbestimmten Zeitpunkt", wollte den Regisseur aber wie geplant mit einer großen "Tribute to Roman Polanski"-Retrospektive würdigen.

Im Februar 1978 war der gebürtige Pole Polanski, der seit 1975 französischer Staatsbürger ist, aus den USA geflohen. Dort war ein Prozess gegen ihn anhängig, nachdem er 1977 gestanden hatte, eine 13-Jährige in der Villa seines Freundes Jack Nicholson ("Chinatown") mit Champagner und Drogen zum Sex verführt zu haben. Polanski flüchtete, nachdem der Richter ihn mit einer höheren Gefängnisstrafe bedroht hatte als vereinbart.

Ein US-Richter hatte im vergangenen Mai den Antrag Polanskis abgewiesen, den Missbrauchsprozess einzustellen. Der Richter begründete dies damit, dass Polanski nicht selbst in die USA gereist war, um sein Anliegen vorzutragen. Polanski hätte bei der Einreise in die USA die Festnahme riskiert.

Sex mit einer Minderjährigen gilt in Kalifornien automatisch als Vergewaltigung. Polanski kam damals 42 Tage unter psychiatrische Beobachtung. Inzwischen setzt sich selbst sein damaliges Opfer, die heutige Mittvierzigerin Samantha Geimer, für ein Ende des Verfahren gegen den weltberühmten Star ein. Sie leide darunter, dass immer wieder Einzelheiten des damaligen Vorfalls ausgebreitet werden, sagt sie. Geimer, die mit Mann und drei Kindern auf Hawaii lebt, hat Polanski längst verziehen, wie sie sagt.

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