Hahn spricht fließend Deutsch
Exklusive Saiten-Ballerina

Hilary Hahn wird als „Geigenmirakel“ und als „Jahrhunderttalent“ gefeiert. Im Interview mit dem Weekend Journal fasziniert die 23-jährige Weltklasse-Musikerin durch ungekünstelte Frische.

So zart und zerbrechlich wirkt die 23-jährige amerikanische Top-Geigerin Hilary Hahn auch wieder nicht. Aber ihr Porzellanteint ist tatsächlich noch heller und weißer, als die CD-Cover suggerieren. Und ihre Hände, die sich erst katzenhaft zur Begrüßung entgegenstrecken und während des Gesprächs immer wieder zum Teller mit den Melonenstückchen wandern, sind dann doch feiner und zierlicher als vermutet.

Noch-Geigenküken und Noch-nicht-Diva Hilary spricht nahezu fließend Deutsch, auch wenn sie mit ihren Pfälzer Verwandten keinen Kontakt mehr pflegt. Französisch hat sie gerade gelernt, ein Kompaktprogramm absolviert. Sie findet es wichtig, sich auf Konzertreisen („Reisen ist für mich das perfekte Leben“) nicht nur musikalisch gut ausdrücken können, sondern auch verbal. Was die musikalische Verständigung betrifft, hat sie viel Erfahrung.

Im Alter von vier Jahren erhielt Hilary ihren ersten Geigenunterricht in Baltimore bei Klara Berkovich, einer Violinpädagogin der St. Petersburger Schule. Mit sechs das erste Solokonzert, mit zehn Unterricht am berühmten Curtis Institute of Music in Philadelphia, wo der damals bereits 83-jährige Ysaye-Schüler Jascha Brodsky das Kind unter seine Fittiche nahm. Verehrt und geliebt hat sie den alten Mann: „Der Unterricht bei Brodsky war einfach Vorbereitung auf alles.“ Der Meister hatte sofort erkannt, dass sich hier ein außergewöhnliches Talent verbarg, ein „Geigenmirakel“, wie Kritikerpapst Joachim Kaiser sie wenig später adelte, das binnen weniger Jahre zum Weltstar avancierte.

Kaum einer kann der Geigerin heute den Bogen reichen, was ihre fabelhafte Leichtigkeit, ihre natürliche Grazie und ihre lupenreine Intonation betrifft. Andere mögen bei Brahms oder Bach kraftvoller zu Werke gehen, aber kaum feiner und geschmackvoller. Jede Kadenz gelingt bravourös, die Doppelgriffe sitzen perfekt.

Und weil das Publikum nicht nur Ohren, sondern auch Augen hat, lehrte Brodsky sie, sich beim Geigespielen richtig zu bewegen. Hilary: „Beim Abstrich mit dem Oberkörper nach links, beim Aufstrich nach rechts.“ Ein Augenschmaus fürs Publikum, den zu bieten der ehemaligen Ballettschülerin nicht schwer fällt. Und so konzentrieren sich Hochglanzmagazine auf ihre attraktiven äußeren Attribute. Was die vielseitige und zielstrebige Hilary „vollkommen in Ordnung“ findet.

Schon als 16-Jährige erklomm sie den Gipfel, den sie sich als achtjähriges Mädchen mit Buntstiften auf ein Blatt Papier gemalt hatte: „Kommen Sie und hören Sie Hilary Hahn in der Carnegie Hall!“ stand auf dem flatternden Spruchband eines Flugzeugs, das Klein-Hilary über eine Strandszene mit Liegestühlen, Sand, Sonnenschirmen skizziert hatte. 1997 war es so weit: ihr Debüt im New Yorker Konzert-Mekka mit dem Philadelphia Orchestra unter Christoph Eschenbach.



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