Halbjahresbilanz Auktionshäuser Paris
Zauberei mit Zahlen

Die in Paris tätigen Auktionshäuser jonglieren mit ihren Halbjahres-Bilanzen. Ziel ist eine bessere Platzierung im Ranking. Auf dem weltweiten Auktionsmarkt steht Frankreich an vierter Stelle.
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ParisEs ist ein unbarmherziger Konkurrenzkampf, den sich die Pariser Auktionatoren untereinander liefern. Das spiegelt sich nirgendwo deutlicher als in der Art und Weise, wie sie ihre Halbjahresbilanzen kommunizieren. Wo effektive, nachvollziehbare Ergebnisse wünschenswert wären, hat man es zusehends mit Zahlenzauberei zu tun.

Nach ersten, mühselig zusammengetragenen Berechnungen haben sich die Umsätze der in Paris tätigen Auktionatoren gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp drei Prozent verbessert. Insgesamt summieren sich die Einnahmen für das erste Halbjahr 2015 auf fast 600 Millionen Euro.

Früher war es üblich, die Auktionsergebnisse inkl. Aufgeld für die Zeit vom 1. Januar bis 30. Juni schriftlich bekannt zu geben. Neuerdings muss man telefonisch anfragen. Oft werden Auskünfte verweigert oder man jongliert mit den Zahlen und bessert die Auktionsresultate mit Nachverkäufen (After Sales) oder Privattransaktionen auf.

Kosmetik mit Provinzauktionen

Das französische Auktionshaus Artcurial-Briest-Poulain-F.Tajan gibt etwa Einnahmen in Höhe von 115 Millionen Euro bekannt, womit es sich an zweiter Stelle hinter Christie’s im Ranking der Pariser Häuser positioniert. Artcurial rechnet aber seine Umsätze in der Provinz und die Wohltätigkeitsauktionen mit ein, ohne diese eigens anzugeben. Die Frage nach der Höhe dieser Einnahmen wurde nicht beantwortet. Bekannt ist jedoch, dass allein die Versteigerung des Inventars des Hôtel de Paris im Januar in Monaco 3,1 Millionen Euro erzielte. Nicht auf der Rechnung hat Artcurial die in Zusammenarbeit mit Sotheby’s versteigerte Altmeister-Sammlung Louis de Grandchamp. Sie fuhr 8,7 Millionen Euro ein, die aber allein in die Bilanz von Sotheby’s eingingen. Eigentlich möchte das französische Haus auch gern etwas von diesem Auktionskuchen in seiner Bilanz.

Erhebliche Privatverkäufe

Christie's Pariser Spitzenposition ist allerdings nur relativ. Denn das Auktionshaus von François Pinault teilt - nur telefonisch auf Anfrage – einen Halbjahresumsatz für die Auktionen von 123 Millionen Euro mit, allerdings inklusive der unkontrollierbaren Nachverkäufe. Ein Trick, der das schlechte Halbjahresergebnis von 2014 nun um 48 Prozent verbesserte. Christie's behauptet, seine Privatverkäufe beliefen sich auf rund 51 Millionen Euro und teilt kühn Gesamteinnahmen von 184 Millionen Euro mit, die aber rechnerisch nicht nachvollziehbar sind.

Noch kühner ist der bisherige Pariser Marktführer Sotheby's, der in seine Halbjahreszahlen das Ergebnis der Auktion vom 1. Juli mit einrechnet und auf 116,4 Millionen Euro kommt. Das aber ist unüblich, weil alle Auktionshäuser am 30. Juni den Schlussstrich ziehen. Resignierend rechnet man rund 105 Millionen Euro für Sotheby's Auktionsergebnisse aus, 9,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Das würde das von einem Absolventen der Eliteschule ENA (Ecole Nationale d'Administration), Guillaume Cerutti, geleitete internationale Haus von der Führungsposition an die dritte Stelle des Pariser Auktionsrankings rücken.

Kommunizierende Röhren

Tajan legte 21,9 Millionen Euro um, ca. 7,6 Prozent weniger als im Halbjahr des Vorjahres. Pierre Bergé & Associés dagegen verbesserte sich um 22 Prozent auf 14 Millionen Euro und wird mit der Versteigerung der Privatbibliothek von Pierre Bergé im Dezember seine diesjährigen Umsätze weiter aufstocken.

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