Halbjahresbilanz
Superreiche auf der Jagd nach Statussymbolen

Topwerke sind auf dem Kunstmarkt derzeit Mangelware. Gleichzeitig schwächelt der Markt für fünf- und sechsstellig bewertete Werke. Ein Blick nach China, Russland und Brasilien, zeigt, woran die Szene verzweifelt.
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BerlinDie abgelaufene Kunstmarktsaison wirkt auf den ersten Blick spektakulär, und das betrifft nicht nur die Auktionen. Die Kunstmessen in Maastricht und die Art Basel haben nicht zuletzt dank amerikanischer Kauflust glänzende Erfolge aufzuweisen. Topseller war in Maastricht ein museales Tafelbild von Frans Francken für 12 Millionen Dollar, das Johnny van Haeften ins Boston Museum verkaufte. In Basel war es ein abstraktes Bild von Gerhard Richter für 25 Millionen Dollar, das ein Privatsammler erwarb. Der ausgiebig publizierte Rothko, den die Galerie Marlborough in Basel als Augenfänger für 78 Millionen Dollar offerierte, wurde allerdings auf Anhieb nicht verkauft.

Topwerke sind Mangelware. Die internationalen Frühjahrsauktionen waren nicht gerade üppig bestückt. Wer Spitzenwerke besitzt, gibt sie nicht ab. So setzt sich der Preisauftrieb fort.

Zu den Spitzenreitern der Saison zählen ein Munch-Pastell für 119,9 Millionen Dollar, das wie das „Wallstreet Journal“ aufdeckte, nicht wie gemunkelt nach Katar, sondern in die Sammlung des New Yorker Investors Leon Black gewandert ist, ein Rothko von 1961 für 86,8 Millionen Dollar, ein Francis Bacon für 44,9 Millionen Dollar, ein Andy Warhol für 37 Millionen Dollar. Sotheby's registriert „eine beachtliche Stärke des Bietens zwischen 30 und 40 Millionen“. Christie's preist seinen Rekorderlös von 388 Millionen Dollar für Kunst nach 1945 als „Tribut an die exzeptionellen Werke dieser Saison“.

Jenseits dieser Hochpreise für moderne und zeitgenössische Kunst gibt es noch andere Tendenzen. Man muss immer wieder betonen: Der Kunstmarkt ist keine Einheit, er spaltet sich in viele Sammelgebiete mit eigenen Preisentwicklungen und Präferenzen auf.

Porzellan zum Beispiel hat sich in den vergangenen Monaten, mit Ausnahme der Manufaktur Sèvres, nicht so gut verkauft. Auch die deutsche Malerei des 19. Jahrhunderts wurde sehr selektiv bewertet.

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