Hans Arp
Eine amerikanische Geschichte

In den sechziger Jahren wird Hans Arp von den Amerikanern entdeckt und gekauft. Dahinter steht vor allem der Galerist Sidney Janis, der den Bildhauer in wichtigen US-Sammlungen unterbringt. Die Hintergründe beleuchtet eine Konferenz der Stiftung Arp e.V. in Berlin.
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BerlinUm Hans Arps künstlerische und geschäftliche Beziehungen zu US-amerikanischen Sammlern, Galeristen und Museen kreist das erste Symposium der inzwischen in Berlin ansässigen Stiftung Arp e.V.. Kooperationspartner der Veranstaltung am 22. und 23. Juni 2015 ist die American Academy und das Georg Kolbe Museum in Berlin.

Die Stiftung Arp, die bis vor wenigen Jahren noch unter dem Namen „Stiftung Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp e.V.“ firmierte und bis 2007 Mitverantwortung für das Arp Museum in Rolandseck trug, hat die unrühmlichen Auseinandersetzungen um das plastische Erbe Arps hinter sich gelassen und arbeitet mit Nachdruck an ihrem Profil einer Forschungseinrichtung. Erste Frucht der 2010 eingeleiteten Wende war die 2012 vorgelegte erste Bestandsaufnahme der Skulpturen Hans Arps (Siehe Handelsblatt Online v. 4.10.2012. Ein Kompendium, das Kunsthändlern zum ersten Mal ein brauchbares Nachschlagewerk zur Identifikation der in großer Zahl auf dem Kunstmarkt auftauchenden Werke von Arp in die Hand gab. 2013 fiel die Entscheidung für den zweiten Standort Berlin, wo nun auch die Sammlung, das Archiv und die Bibliothek für die Forschung und interessierte Öffentlichkeit zugänglich ist.

Freundin Peggy Guggenheim

Arps von der Forschung noch unterbelichtete Beziehungen zu Amerika reichen zurück in die 1930er-Jahre. Er war mit Hilla von Rebay und Peggy Guggenheim befreundet und beteiligte sich an den einschlägigen Gruppenausstellungen, mit denen das Museum of Modern Art die europäische Moderne in den USA bekannt macht. Seine erste große Einzelausstellung hatte er 1949 bei Curt Valentin, 1958 seine erste Retrospektive im MoMA. Den Auftrag für das Harvard-Relief (1950) der gleichnamigen Universität in Cambridge/Mass., vermittelte Walter Gropius.

Kommerzieller Durchbruch mit Sidney Janis

Der kommerzielle Durchbruch gelang in Zusammenarbeit mit dem New Yorker Galeristen Sidney Janis, schwerpunktmäßig in den 1960er-Jahren, später in Kooperation mit der ebenfalls in New York ansässigen Galerie Chalette. Janis konfrontierte 1960 beispielsweise Gemälde, Skulpturen und Reliefs der „klassischen Phase“ von Arp und Mondrian und zeigte 1963 die Marmor- und Bronzeskulpturen sowie die Holz-Reliefs. Mehr als 50 Jahre begleitete Janis Arps Werk, das er in allen relevanten Sammlungen und Museen unter brachte, jedoch offenbar ausschließlich an der Ostküste der Vereinigten Staaten. Zu den Kunden gehörten Nelson Rockefeller und die Annenberg Collection, die heute als Annenberg Retreat öffentlich zugänglich ist.

Arps Werk und Wahrnehmung in den USA sowie die Auswirkungen, die die Wünsche der US-Kunden auf sein Werk hatten, beleuchten unter anderem Catherine Craft, Kuratorin am Nasher Sculpture Center in Dallas, Eric Robertson, Professor am Royal Holloway College und Verfasser des Buches „Arp. Painter, Poet, Sculptur“ (2006) und Arie Hartog, der 2012 die Bestandsaufnahme der Skulpturen Arps herausgegeben hat. Zu Wort kommen des Weiteren die Kustoden des Museum of Modern Art und Maike Steinkamp von der Stiftung Arp e.V., der Kunsthistoriker Brandon Taylor, Professor an der Ruskin School of Art der University of Oxford sowie die New Yorker Galeristen David Nash (Galerie Mitchell-Innes & Nash) und Caroll Janis, der Sohn von Sidney Janis.

„Hans Arp and the US“, 22. bis 23. Juni 2015, American Academy Berlin. Die Veranstaltung wird publiziert. Die nächste Tagung wird sich 2017 mit dem Spätwerk Arps und seiner Stellung in der Kunst nach 1945 befassen.

„Hans Arp. Der Nabel der Avantgarde“, ab 28. Juni 2015 im Georg Kolbe Museum, in Koop. mit der Stiftung Arp e.V.

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