Hans Haacke
Spanische Schlösser

Seit vielen Jahrzehnten spürt Hans Haacke die Schwächen einer kapitalistischen Gesellschaft und ihres Kunstbetriebs auf. Zurzeit gastiert der unbequeme Systemkritiker mit einer Werkschau in Madrids angesehenem Museumszentrum Reina Sofia. Die jüngste Arbeit des Künstlers befasst sich mit den Folgen der Immobilienblase in Spanien.
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MadridDer deutsche Künstler Hans Haacke gilt als Ikone der politischen Konzeptkunst. Seine systemkritischen Arbeiten stoßen allerdings auch auf kategorische Ablehnung. Jedenfalls ist der 1936 in Köln geborene Künstler der Ansicht, dass eine demokratische Gesellschaft kritisches Denken fördern muss, was konstante Selbstkritik voraussetzt. Haackes Anspruch auf Gesellschafts- und Sozialkritik ist denn auch das Leitmotiv der Retrospektive, die das Madrider Staatliche Museum und Kunstzentrum Reina Sofia dem Querdenker widmet. Fünf Monate lang bleibt die Einzelausstellung in diesem außergewöhnlichen Haus, in dem unter anderem Pablo Picassos „Guernica“ zu Hause ist.

Spekulativer Kunstbetrieb

Im Mittelpunkt der Schau stehen die 1959 bis 2009 geschaffenen Arbeiten des in New York lebenden Haacke. Neu ist lediglich ein eigens für Madrid erarbeitetes Projekt, das der Ausstellung auch den Titel gibt: „Luftschlösser“.

2011 fotografierte Haacke in der Madrider Vorstadt Ensanche de Vallecas ein ganzes Viertel mit skelettartigen Rohbauten. Die Bauarbeiten wurden wegen der Wirtschaftskrise abrupt eingestellt. Dass die verlassenen Straßen ausgerechnet nach Künstlern des 20. Jahrhunderts oder nach Kunstrichtungen benannt sind, wirkt wie eine Bestätigung von Haackes Attacken auf die Auswüchse des spekulativen Kunstbetriebs, den er seit Jahrzehnten denunziert. Haacke fotografierte die Straßenschilder für sein konzeptuelles Madrider Werk: „Calle del Arte Figurativo, Calle del Arte Abstracto, Calle del Arte Hiperrealista, Calle del Arte Conceptual oder Calle del Arte Expresionista“. Zusätzlich, als eine Art Rauminstallation, befestigte Haacke an schwebenden Nylonfäden die städtebaulichen Pläne der Vorstadt und die Kataster-Register, die zum Ankauf der Wohnungen lockten.

Nach dem Zerplatzen der Immobilien-Blase verwandelten sich die Träume nach dem trauten Heim brutal in „Luftschlösser“. Haacke überlässt es dem Betrachter, die Parallele von diesem gescheiterten Vorstadt-Wirtschaftsprojekt zur Fragilität seiner künstlerischen Pläne zu ziehen.

Die Installation ergänzt ein Videofilm im Ein- und Ausgangsbereich der Ausstellung. Er führt die Besucher durch die Madrider Geistervorstadt. Erst beim Verlassen der Ausstellung begreift man die Berechtigung dieses Videos.

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