Hansestadt Lübeck erinnert an 50. Todestag des Schriftstellers
Bundespräsident würdigt Thomas Mann

Mit einem Festakt in der Marienkirche hat die Hansestadt Lübeck an den 50. Todestag ihres Ehrenbürgers Thomas Mann erinnert. Bundespräsident Horst Köhler würdigte das Werk des Schriftstellers als Weltliteratur auch im Sinne der universellen Humanität, die es zu bewahren gelte.

HB LÜBECK. Literaturkritiker Marcel Reich- Ranicki sagte in seiner mit viel Beifall bedachten Festansprache, auch 50 Jahre nach dem Tod Thomas Manns bleibe dessen Werk so herrlich wie am ersten Tag. Thomas Mann habe der Welt ein Universum hinterlassen, das seinesgleichen suche und erschlossen werden müsse, sagte Köhler. Zu den Zielsetzungen aller kulturpolitischen Bemühungen müsse gehören, dass die deutsche Kultur in ihrem Reichtum in den Herzen und Köpfen der Menschen, und besonders der jungen Menschen, lebendig sei. „Kultur lebt nicht in den Büchern oder den Partituren, Kultur ist dann lebendig, wenn die Bücher gelesen, die Theaterstücke gespielt und die Musik aufgeführt und gehört wird“, sagte er.

Von deutscher Kultur zu sprechen sei weder provinziell noch nationalistisch, sagte Köhler weiter. Kultur gehörte auch zur Identitätsfindung. „Wer wir sind, wissen wir nur dann, wenn wir wissen, woher wir kommen“, betonte er. „Gerade bei Thomas Mann ist so unendlich viel darüber zu lernen, was eigentlich deutsche Kultur bedeutet - aber auch welche fatalen Irrwege möglich waren und sind.“ Auch Reich-Ranicki ging in seiner Festrede mit dem Titel „Deutschlands Glück in Deutschlands Unglück“ auf Thomas Manns Rolle als Repräsentant deutscher Bürgerlichkeit und Kultur ein. „Thomas Mann hat den Begriff des Deutschtums neu definiert. Deshalb verehre ich ihn wie keinen anderen Autor des 20. Jahrhunderts, ja seit 1832“, sagte der Literaturkritiker.

Vor Beginn des Festaktes hatten Köhler und seine Ehefrau Eva Luise gemeinsam mit Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) und Reich-Ranicki das Buddenbrookhaus besucht. Anschließend gingen sie zu Fuß in die nur wenige Meter entfernte Kirche, in der Thomas Mann getauft und konfirmiert wurde. An dem öffentlichen Festakt nahmen rund 800 Zuhörer, darunter auch viele Lübecker Bürger, teil.

Thomas Mann wurde 1875 in Lübeck geboren. Erst 1955, kurz vor seinem Tod, verlieh ihm die Stadt die Ehrenbürgerwürde. Er starb am 12. August 1955 in der Schweiz. Am Abend war ein gemeinsames Abendessen des Bundespräsidenten mit Reich-Ranicki geplant, dass Köhler aus Anlass des 85. Geburtstages des Literaturkritikers im Juni geben wollte.

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