Hauswedell & Nolte
Cover-Girl links liegen gelassen

Nicht jede Auktion ist mit Höhepunkten gesegnet. Diese Erfahrung macht das Hamburger Auktionshaus Hauswedell & Nolte mit seinem Dezember-Angebot an moderner und zeitgenössischer Kunst. Einen Lichtblick setzt eine schwungvoll gepinselte Gouache von Karl Otto Götz.
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HamburgDas Hamburger Auktionshaus Hauswedell & Nolte bot in seinen beiden Dezember-Auktionen wieder ein breites Spektrum von Werken moderner bis zeitgenössischer Kunst. Eine eher unscheinbar wirkende Gouache von Karl Otto Götz wurde zum Star der Auktion „Kunst nach 45“ Anfang Dezember 2013. Die 1957 auf Papier gebrachte, schwungvoll abstrakte Komposition war mit 5.000 Euro im Katalog angesetzt. Nach längerem Bietgefecht zwischen zahlreichen Telefon- und mehreren Saalbietern gab es bei überraschend hohen 26.000 Euro den Zuschlag. Ein aus Nordrhein-Westfalen angereister Saalbieter darf sich jetzt an der 49 x 65 cm großen Arbeit erfreuen. Vielleicht spielte hier auch die zum Zeitpunkt der Auktion kurz bevorstehende Berliner Retrospektive zum 100. Geburtstag dieses Hauptvertreters der deutschen informellen Malerei eine Rolle.

Zu viele Auktionstermine im Spätherbst

Warum aber nur gut 300 von insgesamt ca. 700 Losen einen Käufer fanden, ist auch für den Auktionator Ernst Nolte eher unklar. Seine Vermutung: Die potentiellen Käufer wollen die Arbeiten im Original und nicht nur im Katalog oder via Internet sehen und kommen bei der großen Anzahl von Auktionsangeboten im November und Dezember mit dem Reisen nicht mehr hinterher. Und er hat eine zweite, sehr ehrliche Antwort, dass eben nicht jede Auktion von Höhepunkten getrieben sein kann. Für seine 449. und 450. Auktion am 3. und 4. Dezember 2013 ist das sicher treffend beschrieben. Viel mittlere Qualität lockt eben nicht zum Reisen. Selbst das Covergirl des Katalogs für die „Kunst nach 45“, die farbige Serigrafie „Jacqueline Kennedy II (Jackie II)“ von Andy Warhol aus dem Jahr1966, die auf 14.000 Euro geschätzt war, interessierte während der Auktion niemanden.

Dass er kaum eine der angebotenen Nolde-Arbeiten verkaufen konnte, hat für ihn allerdings andere Gründe. „Für Aquarelle von Emil Nolde macht sich eine gewisse Müdigkeit bemerkbar“, konstatiert der Auktionator. Es gebe einfach zu viele Aquarelle des norddeutschen Expressionisten. „Der Markt scheint momentan gesättigt.“ Das sei auch auf den anderen Auktionen diese Herbstes zu beobachten gewesen.

Blinder Musikant bleibt in Hamburg

Dafür waren an dem Ölbild „Blinder Musikant am Strande“ von Lyonel Feininger gleich mehrere Saalbieter interessiert. Die 1942 entstandene Arbeit mit der beeindruckenden Ausstellungsvita kam aus einer amerikanischen Privatsammlung in das Auktionshaus nach Hamburg und wird auch in der Hansestadt bleiben, für 150.000 Euro. Geschätzt war das Werk auf 200.000 Euro. Das dürfte damit für den Hamburger Käufer ein doppeltes Weihnachtsgeschenk sein.

Ebenfalls in Hamburg bleibt die verträumte Lithographie von Paul Klee „Ein Genius serviert ein kleines Frühstück“, entstanden 1920. Der poetische  Zauber des Blattes wirkt noch immer, auch wenn in der Blattmitte die Farbe ausgeblichen ist. Verlangt wurden für die in 50 Exemplaren aufgelegte Arbeit 24.000 Euro, erlösen ließen sich 27.000 Euro.

Obwohl viele Lose bei Hauswedell & Nolte kein Publikumsinteresse fanden, gibt es doch eine positive Quintessenz der Auktion. Große Künstler-Namen sind immer noch für günstiges Geld zu bekommen, allerdings nicht, was wenig überraschen ist, deren herausragende Werke.

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