Hauswedell & Nolte
Schwunglose Frühjahrsauktionen

Sigmar Polke und ein Nagelbild von Günter Uecker sorgen für Lichtblicke auf den Frühjahrsauktionen von Hauswedell & Nolte. Ansonsten beherrschen kurante Ware und zurückhaltende Bieter das Bild.
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HamburgArbeiten von Sigmar Polke wecken mit ihrer Ironie und Experimentierfreude in den Auktionssälen immer wieder hohe Begehrlichkeiten; nicht zuletzt vor dem Hintergrund seiner ersten Retrospektive im Museum of Modern Art, New York. Davon profitierte auch die Frühjahrsauktion von Hauswedell& Nolte in Hamburg, die am 14. Juni 2014 die beiläufig anmutende Kugelschreiberzeichnung  „Abhorchen des Baumes: Mikrophon im Baum eingelassen / Verstärker angeschlossen“ für verlockende 4.000 Euro Schätzpreis angeboten hatte. Zugeschlagen wurde das 1968 entstandene Blatt mit seitlicher Lochung schließlich für 23.000 Euro. Eine weitere Zeichnung Polkes, die wie die Erwähnte aus der Sammlung Carl Vogel stammend, schaffte es von aufgerufenen 5.000 auf beeindruckende 24.000 Euro. Ihr mit Filzstift geschriebener Titel  „Warum bist du so unsicher“ schien auch das Motto der zwei Auktionstage in Hamburg zu sein, denn das Bieter-Publikum war äußerst zurückhaltend.

Atemberaubend waren allerdings die 295.000 Euro für ein Nagelbild von Günther Uecker, das mit einer Taxe von 8.000 Euro im Katalog stand. Entstanden war es 1968 für den Sammler Volker Kahmen. Eine 1949 entstandene Draht-Plastik von Hans Uhlmann schnellte von 25.000 Euro auf veritable 46.000 Euro.

In der Moderne-Session überzeugten Arbeiten von El Lissitzky und Franz Marc. Lissitzkys gezeichneter "Wolkenbügel", eine seiner aufregenden Architekturvisionen für das revolutionäre Moskau, wurde für 38.000 Euro abgegeben. Von Marc fand einer seiner typischen Farbholzschnitte, die mit „Nr. 10“ bezeichneten „Ruhenden Pferde“ aus den Jahren 1911/12, für 100.000 Euro einen neuen Liebhaber.

Online-Konkurrenz macht sich bemerkbar

Der ‚Futurologe’, von Jörg Immendorf 1983 auf die Leinwand gebannt, wurde abermals auf seine Marktfähigkeit getestet. Die formatfüllend gemalten Trommelschlegel auf der 250 cm hohen Leinwand bot Hauswedell& Nolte bereits 2009 für 75.000 Euro an, ohne Erfolg. Jetzt sollte ein Schätzwert von 45.000 Euro Käufer locken. Für 32.000 Euro schlug Ernst Nolte das Bild letztlich in der Abendauktion einem schriftlichen Bieter ohne Vorbehalt zu. In der Ergebnisliste taucht es jedoch nicht als verkauft auf. Vermutlich wird der Einlieferer dann doch noch etwas dagegen gehabt haben.

Kein Interesse für Alte Kunst

Das am 13. Juni ausgebotene, gut 200 Positionen umfassende Angebot an Gemälden, Zeichnungen und Graphiken aus der Zeit des 15. bis 19. Jahrhunderts wurde vom Käuferpublikum geradezu ignoriert. Deswegen hat sich das Auktionshaus auch dazu entschlossen, keine Ergebnisliste für dieses Segment zu publizieren, zu gering waren die Umsätze. Transparenz buchstabiert sich anders.

Die zwei Auktionstage strahlten Schwunglosigkeit aus und während der Abendauktion schafften es gerade knapp 20 Personen in den 40 Stühle fassenden Auktionssaal. Die wenigen fest installierten Telefone, immer wieder durch einige Mobiltelefone ergänzt, waren vom Glühen weit entfernt. Kurante Ware macht den Schwerpunkt der meisten Auktionshäuser aus, aber wenn die Highlights fehlen, dann kann die mangelnde Resonanz des Publikums nicht überraschen und Erlöse nah am Schätzwert sind an der Tagesordnung.

Die Konkurrenz eines jeden Auktionshauses residiert nicht nur im direkten Nachbarort. Dank der Online-Präsenz finden sich alle denkbaren Orte mittlerweile direkt um die Ecke. Das scheint sich jetzt auch bei der Resonanz auf das Angebot von Hauswedell & Nolte bemerkbar zu machen.

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