Hauswedell & Nolte
Sonnenblumen als "sichere Bank"

Gute Preise kann Hauswedell & Nolte mit einzelnen herausragenden Klassikern der Moderne machen. Insgesamt liefert die Bilanz jedoch keinen Grund zur Euphorie. Wie andere deutsche Versteigerer auch leidet das Hamburger Auktionshaus unter der Verknappung des Angebots. Sammler halten das Beste zurück.
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DüsseldorfVom Morgen bis zum Abend standen sie ihm Modell, die Pflanzen in Emil Noldes großem Garten. Unter ihnen auch zwei prächtige Sonnenblumen. Sie schauten Emil Nolde direkt ins Gesicht, als er sie in ihrem satten dunklen und helleren Gelb malte; eine dritte neigte derweil ihren schweren Kopf zur Seite über eine Gruppe anmutiger blauer Anemonen. Es ist ein prächtiges Blatt, das westdeutscher Handel bei der Moderne-Auktion von Hauswedell & Nolte in seinen Besitz brachte. 155.000 musste er dafür bieten. Der Schätzpreis hatte bei 120.000 Euro gelegen. Mit Aufgeld waren dies knapp 200.000 Euro. Qualitätvolle Blumenaquarelle von Nolde sind seit langem eine sichere Bank und offenbar ist ihr Preispotential noch immer nicht ausgereizt.

"Nicht das Beste, aber das Höchste"

Und noch ein Blumenbild gehörte zu den Gewinnern dieses Abend des 6. Juni, an dem Ernst Nolte 100 ausgewählte Lose überwiegend der Klassischen Moderne aufrief: ein kleines Tulpenstillleben, das Jawlensky 1936 mit Ölfarbe auf Pappe gemalt hatte. „Du musst doch fühlen die Schönheit dieser Bilder“, versuchte er seine Freundin Emmy Scheyer in Los Angeles zu überzeugen. Diese Periode sei das Höchste was er geschaffen habe – „nicht das Beste, aber das Höchste“. Der norddeutsche Sammler, der den Zuschlag bei 86.000 Euro (108.360 inkl. Aufgeld) erhielt, muss schon gewusst haben, was er tat. Denn geschätzt war das Bildchen auf nur 50.000 Euro.

Was sich gut auf der Wand macht

Einen sehr guten Preis machte auch Max Liebermanns ursprünglich in den Städtischen Kunstsammlungen Görlitz beheimatete Ölstudie „Brabanter Spitzenklöpplerinnen“ von 1882. Aufgerufen für 32.000, wurde das Bild schließlich von rheinischem Handel für annähernd das Doppelte mit Aufgeld übernommen. Es ist die einzige bekannte Studie mit vier Figuren nach den beiden großformatigen Gemälden von 1881, die jedoch nur eine Spitzenklöpplerin im Bildzentrum darstellen.

Auch das französische späte 19. Jahrhundert ist nach Angaben von Ernst Nolte „gut gegangen“. Die Rede ist von zwei großformatigen farbigen Lithographien, die sich vermutlich schön an der Wand machen: Paul Cézannes Lithographie der „Großen Badenden“ übernahm US-Handel für taxgerechte 25.200 Euro; eine Renoir-Lithographie amerikanische Privatsammler für 75.600 Euro.

Gerade über seine Taxe kletterte eine hübsche Strandlandschaft von Max Beckmann, die südwestdeutsche Privatsammler zusammen mit Erich Heckels monumentalen, in Holz geschnittenen Männerporträt für 47.880 resp. 50.400 Euro in ihren Besitz brachten. Ein Gebot aus Israel hob auch das aparte Lesser Ury-Motiv auf seinen Schätzpreis von 100.000 Euro. Es zeigt ein Kaffee trinkendes Paar im Zwanziger-Jahre-Look, das der Maler von außen durch das Fenster eines Berliner Caféhauses beobachtet hatte.

Magere Bilanz

Die relativ wenigen Stücke von herausragender Qualität, „die sind auch gut und sehr gut gegangen“, resümierte Ernst Nolte . Zufrieden sei er, „gemessen an dem Material, das wir hatten“. Hauswedell & Nolte leidet wie alle deutschen Versteigerer derzeit an einer spürbaren Verknappung hochwertigen Angebots. Die Eigentümer denken momentan nicht daran, ihre Schätze in unsicheres Kapital zurück zu verwandeln. Und was qualitativ unmittelbar darunter kommt, hat es schwer.

So fällt am Ende die Bilanz vergleichsweise mager aus. 3,2 Millionen Euro Umsatz wurden mit 800 Losen am 5. und 6. Juni gemacht. Von der Auswahl-Auktion am 6. Juni mit 100 Werken wurde 65 Prozent der Schätzpreissumme verwirklicht und 64 Prozent verkauft. Insgesamt liegen die Quoten etwas darunter, wobei die Kunst nach 1945 nicht sonderlich ins Gewicht fällt, von einzelnen Ausnahmen abgesehen. Eine originelle „Komposition mit schräger Figur“ von Willy Baumeister vollführte eine beachtliche Steigerung von 16.000 Euro beim Aufruf bis auf 44.100 Euro. Fast verdoppeln kann ihre Taxe von 25.000 Euro Hans Uhlmanns Entwurf für seine Stahlplastik „Wachstum“. Sie findet ihre Heimat in einer bedeutenden Darmstädter Privatsammlung.

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