Heinrich Mann schrieb 1905 die Romanvorlage zu "Der blaue Engel"
Buddenbrookhaus zeigt 100 Jahre „Professor Unrat“

Schon nach seinem Erscheinen 1905 war das Buch bei den Schülern des Lübecker Katharineums, wo Heinrich Mann sich seine Charaktervorlagen holte, beliebt. Es wurde ihnen jedoch verboten, es zu lesen. Heute beschäftigt sich eine Ausstellung mit dem provokanten Roman.

HB LÜBECK. Unter dem Titel „Aufgemerkt nun also!“ zeigt sie vor allem die Welt der Bordelle im 19. Jahrhundert, die Mann in seinem Roman beschreibt. Außerdem bietet das Buddenbrookhaus literarische Spaziergänge an. Die Ausstellung ist von diesem Samstag an bis zum 24. April zu sehen.

Schon nach seinem Erscheinen 1905 war das Buch bei den Schülern des Lübecker Katharineums beliebt. Denn in der Figur des Lehrers Immanuel Raat, genannt Professor Unrat, erkannten die Pennäler unschwer ihren Direktor Julius Schubrig und den Lateinlehrer Carl Curtius wieder. Beiden hatte Mann, der - ähnlich wie sein Bruder Thomas - das ehrwürdige Lübecker Gymnasium nur mit Mühen durchlaufen hatte, ein literarisches Denkmal gesetzt. Schülern wurde die Lektüre des Buches verboten, woraufhin der Roman heimlich unter den Bänken kursierte, heißt es in der Ausstellung.

Der Lübecker Literaturwissenschaftler Manfred Eickhölter trug für die Schau erstmals Details über die Lübecker Freudenhausszene des 19. Jahrhunderts zusammen. „Wir haben herausgefunden, dass die Kneipe „Der blaue Engel“ aus dem Roman ihr Vorbild in dem historisch belegten Bordell „Goldener Engel“ in der Clemensstraße hat“, berichtet Eickhölter. Aus dem Film „Der blaue Engel“ sind in der Ausstellung Ausschnitte zu sehen.

Neben den Etablissements in der 1903 zur Rotlichtgasse avancierten Clemensstraße habe es in Heinrich Manns Jugend eine Reihe von Bordellbetrieben gegeben. „In Briefen berichtet er zum Beispiel vom Etablissement der Witwe Knoop in der Weberstraße“, sagt Eickhölter. Literarische Spaziergänge zur „Topographie der Lust“ auf Heinrich Manns Spuren bietet das Buddenbrookhaus vom 17. März an jeden Donnerstag an.

100 Jahre "Professor Unrat"

Einen Tag vor Heiligabend schrieb Heinrich Mann 1904 an seinen Freund Ludwig Ewers, er werde ihm im März sein neues Werk schicken. Als „höchst ausfallende Geschichte“ charakterisierte der Schriftsteller sein Buch - „weniger erotisch als geistig ausfallend“. Als dann im Frühjahr 1905 im Münchner Verlag Albert Langen „Professor Unrat“ in einer Auflage von 2 000 Exemplaren erschien, fand der Band zunächst einen eher bescheidenen Erfolg.

Seite 1:

Buddenbrookhaus zeigt 100 Jahre „Professor Unrat“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%