Helmut Newton als Vorbild
Voyeur und Mann

Bei Helmut Newtons inszenierten Bildern hat der Betrachter das Gefühl, heimlich durchs Schlüsselloch zu gucken. Jetzt bekommt er in Berlin ein eigenes Museum. Die Nackten werden darin eine Hauptrolle spielen.

Zwei nackte Frauen räkeln sich auf dem Rücksitz eines Wohnmobils. Sie tragen transparente schwarze Wäsche. Kaffee und Reste eines Frühstücks stehen auf dem Tisch. Was aussieht wie das Pausenbild einer Modeproduktion, ist eines von Helmut Newtons durchgestylten Fotos. Der Betrachter hat das Gefühl, heimlich durchs Schlüsselloch zu gucken. Es sind Bilder wie diese, die den im Januar in Hollywood gestorbenen Newton zu einem der umstrittensten Fotografen der Welt machen. Jetzt bekommt er in Berlin ein eigenes Museum. Die Nackten werden darin eine Hauptrolle spielen.

Männer delektieren sich am Anblick nackter Frauen. Das ist eine Binsenweisheit. Doch längst haben sich erotische Magazinfotos aus der Schmuddelecke gewagt. Nacktheit ist allgegenwärtig: in der Bild-Zeitung, auf Werbeplakaten und abends beim „Tatort“. Schwierig wird es, wenn Nacktheit in Szene gesetzt und zur Kunst erhoben wird. Wie vor ihm kein anderer Fotograf musste sich Newton den Vorwurf gefallen lassen, er bediene die Phantasien von Voyeuren.

Er selbst spielte ironisch mit der Schaulust: „Voyeurismus“ heißt eines seiner berühmten Bilder, aufgenommen 1989 in einem Hotel in Los Angeles. Der Fotograf schaut mit seiner Kamera einer Frau zu, die ihrerseits ein Paar in eindeutiger Pose beobachtet. Ist Newton Verführer oder Voyeur? Macht er den Betrachter zum Komplizen seiner visuellen Lüste? Klar ist: Nie zuvor hat ein Fotograf Frauen so ambivalent in Szene gesetzt: einerseits fremdbestimmte Objekte von Männerphantasien, andererseits dominante Subjekte, die sich ihrer Überlegenheit bewusst sind. „Meine Frauen bleiben immer Sieger“, sagte Newton augenzwinkernd.

Seite 1:

Voyeur und Mann

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%