Herkunftsforschung
Bayern rechnet mit langer Suche nach Nazi-Raubkunst

Der spektakuläre Kunstfund in München hat die Frage nach dem Umgang mit NS-Raubkunst in den Blickpunkt gerückt. Experten suchen in Bayern schon seit 15 Jahren nach Kunstwerken, die NS-Opfern geraubt worden sein könnten.
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MünchenDie Prüfung der Eigentumsrechte bei möglicher Nazi-Raubkunst bleibt für Bayern eine Langzeitaufgabe. Die Provenienzrecherche könne Jahrzehnte dauern, sagte Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU) am Mittwoch. Das Thema war nach der Beschlagnahmung der Werke aus dem Besitz des Schwabinger Kunsthändlersohns Cornelius Gurlitt in den Blickpunkt gerückt.

Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen befassen sich seit 15 Jahren mit der Aufarbeitung der NS-Geschichte. Sie hatten 1998 als einziges deutsches Museum an der Washingtoner Konferenz zu NS-Raubkunst teilgenommen und ein Jahr später die erste Stelle zur Provenienzforschung in Deutschland eingerichtet.

Die Staatsgemäldesammlungen haben laut Generaldirektor Klaus Schrenk bei etwa 1500 Kunstwerken Zweifel an der Herkunft. Davon seien 300 untersucht und zwölf an die Erben der von den Nazis enteigneten Besitzer zurückgegeben worden - darunter der „Blumenstrauß in einer Tonvase“ aus der Werkstatt Jan Brueghel (der Ältere) an die Erben des Wiener Kaufmanns Julius Kien.

Daneben wurden neun Kunstwerke aus dem Bayerischen Nationalmuseum und zwei aus der Staatlichen Graphischen Sammlung zurückgegeben. Strittig ist derzeit der Fall der Erbin Paula Levy und des Gemäldes „Die Drei Grazien“ von Lovis Corinth. Er liegt bei der Limbach-Kommission, deren Entscheidung beide Seiten akzeptieren wollen.

Die Herkunftsforschung sei extrem aufwendig, zumal die Gemälde oft über Umwege in den Besitz der Staatsgemäldesammlungen gelangten, sagte Schrenk. „Es sind zum Teil hoch komplizierte Recherchen, weil die Ausgangslage so schwierig ist.“ Manchmal gebe es keine Dokumente mehr - diese Fälle könnten womöglich nie geklärt werden.

Die Experten suchten die teils betagten Empfänger weit über Deutschlands Grenzen hinaus, etwa in Israel und den USA. Fast 200 Werke wurden allein von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen auf der Plattform „lostart.de“ eingestellt. So können Erben der meist jüdischen Eigentümer Kunstwerke identifizieren und Anspruch erheben.

Ein Problem ist die Verjährung. Öffentliche Institutionen richten sich nach dem Washingtoner Abkommen und geben Werke trotzdem zurück. Anders ist es oft bei Privatleuten, die unter Umständen für ein Kunstwerk tief in die Tasche gegriffen haben - ohne zu ahnen, dass es sich um Raubkunst handeln könnte. Gurlitt sei der erste prominente private Sammler, der sich vertraglich mit Taskforce, Bund und Freistaat zu dem Abkommen bekannte, Provenienzforschern Zugang zu Werken mit unklarem Hintergrund gewährt und deren Rückgabe ankündigte.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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