Hessisches Kult-Duo
Badesalz kommt der Dialekt abhanden

Erstmals seit fünf Jahren sind die hessischen Komiker Badesalz, die in ganz Deutschland längst Kultstatus haben, wieder als Duo unterwegs. Natürlich lebt das Geschehen auch diesmal von der Sprache, die gesprochen wird: hessisch. Und die kommt einem der beiden doch glatt abhanden, zumindest kurzfristig.

HB FRANKFURT. In ihrem neuen Programm „Dugi Otok“ zeigen Gerd Knebel und Henni Nachtsheim nicht wie bislang viele verschiedene Charaktere, sondern ein „Zwei-Personen-Comedy-Theaterstück“ mit zwei Hauptfiguren. Anders als in ihrem letzten Programm „Das Baby mit dem Goldzahn“, in dem sie mit ihren Kollegen Udo Schöbel und Olaf Mill eine Art Märchen auf die Bühne brachten, bringen Badesalz ihre Fans nun wieder seit Anfang Mai mit einer Abfolge einzelner Szenen zum Lachen.

Den Rahmen bildet das Musikgeschäft „Betzels Guittar Shop“. Das ungleiche Besitzerpaar „Hebbe“ (Gerd Knebel) und „Gehma“ (Henni Nachtsheim) hat jede Menge Instrumente und jede Menge Ideen, diese an den Mann zu bringen, aber „seit Monaten kein einziges Instrument verkauft“, wie Knebel wütend herumbrüllt. Doch er klagt nicht nur, sondern hat auch eine rettende Idee: „Ein Black Metal-Festival in Dugi Otok“, einer (tatsächlich existierenden) kroatischen Insel. Daraus wird natürlich genauso wenig wie aus den vielen anderen Ideen, die sich jeweils einer der beiden ausdenkt und meist sein Gegenpart nicht davon begeistern kann, geschweige denn die so dringend benötigte, aber nicht vorhandene Kundschaft.

Rund um diese Misere feuern Badesalz, die ihre steile Karriere 1985 mit „Das Super-Dong-Dong“ starteten und seither mit acht Bühnenshows, Fernsehserien („Oh joh“), Kinofilm und diversen CD- und DVD-Veröffentlichungen Erfolge feierten, im neuen Programm ihre zwerchfellerschütternden Dialoge ab. Dabei karikieren sie, meistens sehr originell und nur manchmal etwas platt, menschliche Unzulänglichkeiten und aktuelle Personen und Themen, die die Welt mehr oder weniger bewegen.

Deutschlands swingende Grand-Prix-Hoffnung Roger Cicero wird als „halbschwuler Frank Sinatra für Hartz IV-Empfänger“ verspottet. An Greenpeace stört die Akteure, dass sie so manchen Urlaub vermiesen, weil „die immer irgendwelche Wale an den Strand schleppen“. Topaktuell präsentiert „Hebbe“ Bilder eines Kampfhundwelpen: „Der ist viel süßer wie der Knut.“ Kinderuniversitäten gehen Badesalz ebenso auf die Nerven wie Telefonberatungen, Nordic Walking oder Xavier Naidoo. Herrlich politisch inkorrekt outen sie sich als Fans des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad, weil „de Mahmud“ westliche Musik verbieten will, also etwa auch Sarah Connor oder Robbie Williams.

Die Bühnenpartner steigern sich mit Vorliebe in Nichtigkeiten hinein und schaukeln sich gegenseitig hoch. Knebel gibt den miesepetrig-aggressiven Typen, während Nachtsheim gerne kindlich, euphorisch, naiv und auch weinerlich auftritt. Sie entwickeln absurde Gedankengänge und Erkenntnisse wie „Der Mensch stammt vom Fisch ab“ und eigenwillige Logiken: „Misshandlungen sind wichtig zur Verhinderung von Misshandlungen.“ Badesalz spielen so echt und glaubwürdig, dass man leicht vergisst, wie viel harte Arbeit dahinter steckt und welch schauspielerische Bravour das komische Doppel hat. Ein Höhepunkt ist der „Synchron-Dialog“ mit dem Dauerkunden Herrn Kessler, der jede Woche mit den gleichen Worten die gleiche Gitarre bewundert, sie aber niemals kauft.

Natürlich lebt das Geschehen auch diesmal von der Sprache, die gesprochen wird: hessisch. Die kommt Nachtsheim in der Zugabe abhanden, als er in gestelztem Hochdeutsch seine Erkenntnis ausbreitet: „Das Sprechen von Dialekt ist eine zynische Ignoranz gegenüber der deutschen Sprache und ein Ausdruck verbaler Hilflosigkeit.“ Knebel weist ihn direkt zurecht und zeigt, dass man ohne Dialekt spätestens bei einer Lieblingsbeschäftigung der Hessen, dem Fluchen, an seine Grenzen stößt. Von der ersten bis zur letzten Reihe sind schon viele der Tourtermine ausverkauft, die Badesalz mit ihrem neuen Programm bis ins kommende Jahr hinein durch ganz Deutschland führen.

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