Hippie-Ikone
Scott McKenzie ist tot

Das Lied „San Francisco“ klingt noch heute fast jedem im Ohr, wenn die Sprache auf die Hippie-Bewegung kommt. Scott McKenzies Hit wurde zur Hymne einer ganzen Generation. Der Musiker verstarb nun nach schwerer Krankheit.
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Los Angeles/New YorkEr sang von „sanftmütigen Menschen mit Blumen im Haar“ und „einer ganzen Generation in Bewegung“: Mit „San Francisco“ schuf Scott McKenzie 1967 die Hymne der Hippies und einen bis heute erfolgreichen Ohrwurm. Es sei doch nur ein „einfacher Song“, schrieb McKenzie 2002 auf seiner Webseite. „Ich finde es erstaunlich, wie sehr "San Francisco" auch heute noch in den Herzen und Köpfen der Menschen in aller Welt Träume zu wecken vermag.“ Am Wochenende starb der enttäuschte Weltverbesserer und ewige Hippie McKenzie, der seine Haare auch im hohen Alter nie kurz schneiden ließ, mit 73 Jahren an den Folgen eines Nervenleidens.

Die Entstehungsgeschichte von „San Francisco“ ist äußerst passend: „Zu der Zeit fuhren einige meiner Freunde total auf Meditation ab. Auf dem Weg zu mir pflückten sie Blumen und flochten daraus einen Kranz, den ich während der Aufnahme im Haar trug“, erzählte McKenzie einmal in einem Interview. „Meine Freunde meditierten, während ich sang. Es herrschte eine ganz besondere, innige Stimmung im Studio.“ Nach den Hippies inspirierte das Lied auch viele andere Menschen weltweit - zum Beispiel in der ehemaligen DDR. „Ich trat 1991 im Osten Deutschlands auf, und die Leute erzählten mir, wie viel ihnen der Song als ein Symbol des Widerstandes bedeutet hat“, sagte McKenzie. „Ich musste Hunderte von Autogrammen in alte ostdeutsche Pässe und auf wertlose Geldscheine schreiben.“

Aber „San Francisco“ sollte McKenzies einziger großer Hit bleiben. Der Sänger, Songwriter und Gitarrist war nacheinander Mitglied mehrere Bands, darunter zeitweise auch der Flower-Power-Gruppe „The Mamas & the Papas“. Auch solo trat McKenzie, der mit bürgerlichem Namen Philip Wallach Blondheim hieß, häufig auf, spielte Folk und Country-Rock. Für die Erfolgsband „Beach Boys“ schrieb er das Lied „Kokomo“. McKenzie sprach sich öffentlich gegen den Vietnam-Krieg und jede Form von Militarismus und Gewalt aus.

Ein zweites „San Francisco“ wollte McKenzie aber einfach nicht gelingen. Immer mehr fiel der Sänger in tiefe Depressionen und litt zunehmend an dem Nervenleiden Guillan-Barré-Syndrom. „Die Krankheit macht dich schwach, ängstlich, unsicher und lässt dich zittern“, sagte er einmal. Zuletzt soll er allein mit der Katze Spider in seinem Haus in Los Angeles gelebt haben. Nachbarn fanden dort am Samstag seinen leblosen Körper und informierten seine australischen Freunde Gary und Raylene Hartman, die die Nachricht auf seiner von ihnen betriebenen Webseite verbreiteten.

Im Gästebuch der Webseite und über den Kurznachrichtendienst Twitter reagierten tausende Fans bestürzt auf die Nachricht vom Tod McKenzies. „Dein "San Francisco" war ein Teil meiner Jugend, ein Teil meines Lebens. In meinem Herzen wirst du weiterleben“ schrieb ein anonymer Fan. „Bei dieser Musik habe ich meine Frau kennengelernt und dieses verbindet uns bis heute. Auch deshalb waren wir in San Francisco“, erzählt ein anderer. Und ein dritter schreibt schlicht: „Wir werden dich niemals vergessen.“ Nur seine Fans und die Musik - so sagte McKenzie einmal - hätten ihm geholfen, „diese Welt zu ertragen, die wir so gern geändert hätten“.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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