Hofburg Messe für Kunst und Antiquitäten
Run auf das 19. Jahrhundert

Die Wiener Hofburg-Messe verwöhnt ihr Publikum mit ihrem angenehmen Flair. Das stürzte sich in diesem Jahr vor allem auf die Malerei des 19. Jahrhunderts. Guten Zuspruch fanden auch Fotografien und Ikonen. Möbelkunst hatte es schwer.
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WIEN. So sieht das Messe-Pensum des Wiener Fotogaleristen Johannes Faber aus: Die Antiquitätenmessen Tefaf (Maastricht) und Highlights (München) liegen hinter ihm und von der 42. Hofburg Messe für Kunst und Antiquitäten (Wien, bis 14.11.2010) ging es direkt zur Paris Photo (18.-21. 11.2010): Damit steht Faber repräsentativ für eine Minderheit des österreichischen Kunsthandels, die sich als Spezialisten auf den Hot-Spots des globalen Marktes tummeln. Den heimischen Markt vernachlässigen sie dabei keineswegs. Das halten die auf Papierarbeiten der frühen Moderne spezialisierten Wienerroither & Kohlbacher (Wien) und der Jugendstil-Guru Wolfgang Bauer (Bel Etage, Wien) genau so. Sie pflegen ihr Programm an das Umfeld anzupassen, am internationalen oder eben am lokalen Geschmack.

Brummendes Folgegeschäft

Fabers Bilanz kurz vor Saisonende: Die Tefaf sei rückblickend die beste Messe gewesen, die Highlights-Veranstaltung sei ausbaufähig und die Hofburg gemessen an den Abschlüssen sensationell. Dort wechselten historische Reisefotografien aus dem frühen 19. Jahrhundert (Antonio Perini) neben Fotogravuren Ferdinando Onganias ebenso den Besitzer wie Arbeiten von Rudolf Koppitz (ab 4.700 Euro), dessen legendäre Bewegungsstudie sich ein Sammler-Debütant für 28.000 Euro sicherte. Für Moritz Nährs Porträt von Gustav Klimt mit einer seiner Katzen im Arm aus dem Jahr 1912 (36.000) laufen noch Verhandlungen. Das Folgegeschäft könnte noch brummen, mutmaßt auch der eine oder andere der insgesamt 43 Aussteller. Hoffentlich, denn für einige könnte es sonst eine wirtschaftliche Bauchlandung gewesen sein.

Keine Lust auf Biedermeier-Möbel

Der Bereich historischer Tischlerkunst fiel - ungeachtet des logistischen Aufwands, den diese Anbieter zu tragen haben - sehr klar in die Kategorie Ladenhüter: marginale Absätze bei den Louis XVI.-Möbeln, nichts nennenswertes bei Barock, und biedermeierliche Massenfertigungen ignorierte das Publikum gleich völlig. Außer Spesen nichts gewesen muss es auch die zum ersten Mal teilnehmende Galerie bei der Antike (Vöcklabruck, Oberösterreich) auf den Punkt bringen. Für dieses spezielle Segment hätte es internationaler Klientel bedurft, da es dem durchschnittlichen Wiener Messebesucher offenbar zu wenig geläufig ist.

Gute Bilanz für den Ikonenhandel

Insofern durfte Stefan Brenske (München) jetzt die Früchte seiner jahrelangen Vorarbeit ernten. Interessiert zeigten sich Herr und Frau Österreicher ja schon immer an den seinen Messestand schmückenden Ikonen, aber es brauchte seine Zeit und unzählige Gespräche, dies in Verkäufe zu verwandeln. Das Durchhalten fiel ihm insofern leicht, als Wien und vor allem das Messemanagement mit einem unvergleichbaren Wohlfühlfaktor punkten konnte. Seine aktuelle Bilanz nach neun Öffnungstagen ist eine erfreuliche: Neun Ikonen in Preisklassen von 8.000 bis über 20.000 Euro fanden in Wien und Umgebung eine neue Heimat.

Run auf Malerei des 19. Jahrhunderts

Mehr als ein Dutzend Gemälde des 19. und frühen 20. Jahrhunderts konnte Lokalmatador Giese & Schweiger platzieren. Darunter die erst vor wenigen Wochen aus Uruguay importierte Partie aus Grinzing (1905/06) des Sezessionisten Carl Moll. Sie wechselte für 580.000 Euro in eine Wiener Privatsammlung. Diese Sektion, die zu 95 Prozent mit Werken österreichischer Künstler bestückt ist, war die mit Abstand am stärksten gefragte. Das bestätigte auch Sylvia Kovacek (Kovacek Spiegelgasse, Wien). Im Unterschied zu den Vorjahren hätten sich die Geschmäcker hier aber nur tendenziell auf das 19. Jahrhundert verlagert, wo sich das Publikum in Preisklassen 8.000 bis 75.000 Euro bediente.

www.hofburg-wien.at

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