Hollywod-Held
Erbitterter Streit um den Helden aus „Hotel Ruanda“

Für die meisten Menschen außerhalb von Ruanda ist der Retter aus dem „Hotel Ruanda“ ein Held. Dafür sorgte der gleichnamige Hollywood-Film, der nach dem schrecklichen Massaker in Ruanda mit Erfolg in europäischen und amerikanischen Kinos lief. In dem ostafrikanischen Land selbst sorgt der Hotelmanager jedoch für erbitterten Streit.

HB KIGALI. Der vor drei Jahren veröffentlichte Film zeigt Paul Rusesabagina, wie er während des ruandischen Völkermords seine Stellung als Hotelmanager dafür nutzt, mehr als 1200 Menschen das Leben zu retten. In dem kleinen ostafrikanischen Land selbst gehört der internationale Star inzwischen aber zu den umstrittensten Personen: Überlebende des Völkermords werfen ihm vor, sich an ihrer traurigen Geschichte zu bereichern. Journalisten glauben ihm nachweisen zu können, dass er heute selbst zum Hass aufruft.

Das Massaker ist nun 13 Jahre her. In der Nacht vom 6. auf den 7. April 1994 begann eine der schrecklichsten Gewaltorgien der afrikanischen Geschichte. Binnen 100 Tagen töteten Extremisten aus dem regierenden Hutu-Volk etwa 800 000 Mitglieder aus dem Stamm der Tutsi und gemäßigte Hutu. Die genauen Zahlen kennt bis heute niemand. Die Angreifer fielen mit Macheten über ihrer Opfer her und ein bestialisches Morden nahm seinen Lauf. Es endete erst, als Tutsi-Rebellen aus der Ruandischen Patriotischen Front die Macht übernahmen. Der Westen hatte dem Treiben fast tatenlos zugesehen.

Als ein Hollywood-Film 2004 das Thema aufgriff, nahm die Welt erstmals Notiz von Paul Rusesabagina und feierte ihn wie Oskar Schindler, dessen Einsatz für die Juden im Dritten Reich von Steven Spielberg verfilmt worden war. In „Hotel Ruanda“ spielt der US-Schauspieler Don Cheadle den Manager aus der Hauptstadt Kigali, der sein Hotel des Mille Collines zu einer Bastion der Menschlichkeit macht. Die USA ehrten Rusesabagina mit ihrer höchsten zivilen Auszeichnung, der Freiheitsmedaille.

Der ruandische Kolumnist Job Jabiro ist heute der festen Überzeugung: Der Hotelmanager erntet Ruhm und Ehre zu Unrecht. „Rusesabagina ist kein Schindler“, schrieb er wenige Wochen vor dem Jahrestag in der Tageszeitung „New Times“. Rusesabagina gehe es vielmehr um die größtmögliche öffentliche Aufmerksamkeit, er wolle die Geschichte umschreiben und schamlos vom Leid der anderen profitieren. Jabiro ist nur einer von vielen in Ruanda , die Rusesabaginas Rolle zuletzt massiv in Frage stellten. Präsident Paul Kagame hat ihm den Heldenstatus sogar öffentlich abgesprochen.

Seite 1:

Erbitterter Streit um den Helden aus „Hotel Ruanda“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%