Hollywoodstar Cheeta: Zehn Prozent Affe, neunzig Prozent Talent

Hollywoodstar Cheeta
Zehn Prozent Affe, neunzig Prozent Talent

Ein neuer Film, eine Platte, eine Autobiografie – Cheeta, der Schimpanse aus Tarzan-Filmen mit Johnny Weissmüller, arbeitet an seinem Comeback. Sieben vergebliche Anläufe hat der wohl berühmteste und älteste Schimpanse der Welt schon über sich ergehen lassen müssen – nun soll der neue Masterplan ihm endlich einen Stern auf dem Walk of Fame bescheren.

PALM SPRINGS. Der alte Herr zeigt sich von seiner besten Seite. Er kleckert nicht, als er seinen Eistee trinkt, er krümelt nicht, als er seine Nachos mümmelt. Danach wischt er sich mit einer Serviette den Mund ab und lehnt sich entspannt im Stuhl zurück. Er weiß, was jetzt kommt, er kennt die Prozedur. Sobald sich sein Pfleger mit einer Spritze nähert, reckt der alte Mann seine behaarten Arme in die Höhe. Er hat seine Krankheit akzeptiert und lässt sich Insulin spritzen, zweimal täglich.

Der zuckerkranke Herr ist 76, vielleicht auch erst 74. So genau weiß man das nicht. Unbestritten ist dagegen: Er ist eine Berühmtheit, seitdem er sich an der Seite von Tarzan-Darsteller Johnny Weissmüller vor über 60 Jahren von Liane zu Liane hangelte. Und er ist laut Guinness-Buch der Rekorde der weltweit älteste Schimpanse: Cheeta.

Höchste Zeit also, dass ihm endlich die Ehre zuteil wird, die 2 377 Stars längst erhalten haben: ein Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood. Weissmüller ist dort schon lange im Trottoir verewigt, ebenso wie Maureen O'Sullivan, die als Jane an der Liane hing. Den Antrag Cheetas auf einen solchen Stern hat Hollywoods Handelskammer bisher sieben Mal abgelehnt.

Das soll nicht ein achtes Mal passieren. Dan Westfall, der Mann, der sich um das Wohl des Schimpansen kümmert, der ihm die Insulin-Spritzen verpasst, hat gemeinsam mit dem Filmemacher Matt Devlen einen Masterplan entwickelt, wie es dieses Jahr endlich klappen soll mit dem Stern, klappen muss.

Die beiden Männer haben es sich bequem gemacht auf einem beigefarbenen Sofa im Wohnzimmer der „Casa de Cheeta“, einem Bungalow mit großem Swimmingpool im Rentnerparadies Palm Springs. Hier lebt der 63-jährige Westfall, geschieden und kinderlos, mit Cheeta. „Er ist Mein ein und Alles“, sagt Westfall. Er hat den Schimpansen Anfang der 90er-Jahre von seinem verstorbenen Onkel geerbt. Der hatte Cheeta aufgezogen und trainiert.

Westfall hat die „Casa de Cheeta“ zu einem Altenheim für tierische Stars gemacht, die in Film und Fernsehen gearbeitet haben und jetzt nicht mehr gebraucht werden, darunter sechs Hunde, fünf Papageien und Cheetas Enkel Jeeter, der einzige Nachfahre des berühmtesten Schimpansen. „Die beiden liegen aber ständig im Clinch, sie haben deshalb Kontaktsperre“, erzählt Westfall, „da ist wohl Eifersucht im Spiel.“

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