Honeckers Top-Hotel
Aufzüge und Whirlpools vom Klassenfeind

Pünktlich zur morgen beginnenden Internationalen Tourismusbörse hat das markante Fünf-Sterne-Hotel "Westin Grand" an Berlins Friedrichstraße eine 15 Millionen Euro teure Schönheitskur hinter sich gebracht. Wenn Kapitalisten aus dem Westen eine ehemalige sozialistische Edelherberge erneuern.

BERLIN. Während Erich Honeckers "Palast der Republik" unwiederbringlich den Abbruchbaggern zum Opfer fällt, feiert ein anderes exponiertes Relikt aus DDR-Zeiten eine edle Auferstehung. Gut 20 Jahre nach seiner Eröffnung als Vorzeige-Adresse des real existierenden Sozialismus wurde das "Westin Grand" komplett renoviert und in allen Räumen mit neuen Bädern ausgestattet. Dabei hat die New Yorker Innenarchitektin Alexandra Champalimaud dem Innenleben einen moderneren frischen Glanz gegeben. Doch die Vergangenheit ist überall gegenwärtig. Ob Marmorfußböden oder Doppelfenster, Einbauschränke aus Eiche natur oder feinstes Mobiliar in den Suiten - all das hat den Mauerfall und den Wechsel der Immobilie in die kapitalistische Hand des Finanzinvestors Blackstone überdauert. "Die haben hier vor 20 Jahren unendlich viele harte Devisen in die Qualität gesteckt", weiß Hoteldirektor Rainer Bangert. "Das alles heraus zu reißen, wäre selbst heute betriebswirtschaftlicher Wahnsinn."

Gebaut wurde das Grand Hotel nach einem Beschluss der XV. Berliner Bezirksdelegiertenkonferenz der SED zur 750-Jahr-Feier Berlins. Damals hatte die an sich schon klamme DDR tief in die Tasche gegriffen, um sich West-Niveau hinter die Mauer zu holen - im Bestreben, "die Hauptstadt der DDR, Berlin, als politisches, wirtschaftliches und geistig-kulturelles Zentrum der DDR weiter auszubauen". So formuliert es ein "Autorenkollektiv" in einer Broschüre.

Unter Führung der japanischen Kajima Corporation und unter starker schwedischer Beteiligung entstand die voll klimatisierte Bettenburg mit 350 Zimmern, 14 Restaurants, Cafés und Bars sowie ein paar Läden. Baumaterial, Haustechnik, Brandschutz und vieles mehr wurde direkt beim Klassenfeind gekauft - so auch die Aufzüge bei Flohr-Otis in der BRD, wie sorgsam festgehalten wurde. Auch sie haben zwei Renovierungen überdauert und sind weiter in Betrieb.

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