Hongkong
Asien im Blick

Großgalerien aus Europa und den USA entdecken den Stadtstaat als Verkaufsplattform für Großchina. Die Regierung will hier schnellstmöglich die „kreative Hauptstadt“ Asiens ansiedeln.
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HongkongAls wir vor fünf Jahren herkamen, galt Hongkong als kulturelle Wüste", erinnert sich Magnus Renfrew, Gründer der Hongkong International Art Fair und jetzt Direktor der Art Basel in Hongkong. Das hat sich inzwischen deutlich geändert. Die Messe ist nicht nur erfolgreicher Mittelpunkt der Auktionswoche im Mai. Sie wurde rasch zum Katalysator einer rasant wachsenden Kunstszene.

Begeistert stürzen sich die Hongkonger in den Wirbel von exklusiven Dinners, Vernissagen und Satellitenmessen. Einzig die Museumsinfrastruktur hinkt noch hinterher. "Öffentliche oder private Museen, die Ausstellungen organisieren, sind hier noch nicht entwickelt. Für Künstler auf unserem Niveau ist der Raum extrem limitiert", sagte Graham Steele, Direktor der neuen White-Cube-Niederlassung dem Magazin "Hongkong Tatler". Internationale Großgalerien und Auktionshäuser füllen nur zur gerne in das kulturelle Vakuum.

Die Regierung des Stadtstaats will hier schnellstmöglich die "kreative Hauptstadt" Asiens ansiedeln. Dafür hilft die amtliche Wirtschaftsförderungsagentur HKInvest neuen Galerien bei Immobilienwahl, Strategie oder Marketing. In fünf Jahren hätten allein 20 Kunstunternehmen diese Dienste in Anspruch genommen, darunter japanische und chinesische Versteigerer oder europäische und amerikanische Galerien wie Ben Brown, White Cube und Gagosian, sagt Andrew Davis, einer der Direktoren bei HKInvest, gegenüber dem Handelsblatt. "Das schafft uns Arbeitsplätze und Austausch zwischen örtlichen und internationalen Künstlern. So kann die ganze Industrie wachsen, das ist gut für Hongkong." Trotz exorbitant hoher Mietpreise steigen Newcomer gerne groß ein und zwingen lokale Händler mitzuziehen. Der Stadtstaat ist eine Freihandelszone, lockt mit niedrigen Steuern und dem Recht auf freie Meinungsäußerung. Die ist wichtig, wenn man etwa so umstrittene Künstler wie Ai Wei Wei zeigen möchte.

"Hongkong ist das Tor zu Großchina - also China, Taiwan und Macao - und eine großartige Basis für Nachbarmärkte wie Südostasien", begründen die Direktorinnen Etsuko Nakajima und Alice Lung ihre nur wenige Wochen alte Niederlassung der Galerie Emmanuel Perrotin. Ihre prächtigen Räume nehmen den gesamten 17. Stock im neuen Bürohaus 50 Connaught Road, an der Hauptverkehrsader im Bezirk Central, ein. Der atemberaubende Rundumblick über Hafen und Hausberg Victoria Peak kostet angeblich mindestens 150 000 US-Dollar Monatsmiete.

"Wir wollen asiatische als auch unsere Avantgarde-Künstler zeigen. So bekommen Kunden aus Asien ein gutes Verständnis von der globalen zeitgenössischen Kunstwelt", erklären Nakajima und Lung. Der Pariser Galerist Perrotin stieg mit den bunten cartoonartigen Charakteren des Brooklyners Brian Donelly, alias KAWS, ein. Im August folgen der junge Indonesier Ariadhitya Pramuhendra und dann der Deutsche Peter Zimmermann.

Im selben Haus ist auch die Londoner Galerie White Cube mit über 550 Quadratmetern zu finden. Hier zeugen noch bis zum 25. August zehn neue Großformate von Anselm Kiefer (ab 600 000 US-Dollar) mit dem Titel "Lasst tausend Blumen blühen!" von Kiefers Mao-Faszination. Chinesische Sammler griffen da gerne zu.

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