Hongkong-Auktionen
Die Erholung des Kunstmarkts kommt von Osten

Sotheby's Hongkong-Auktionen geben klare Signale für den Aufschwung - Chinesische Sammler bieten voller Optimismus mit. Juwelen und Wein brachten Top-Ergebnisse. Auch die Contemporary Art zeigt sich einigermaßen stabil. Erfolgreicher schneiden jedoch die klassischen Meister des 20. Jahrhunderts ab. Den größten Umsatz aber macht das traditionelle Kunsthandwerk.
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Ein reich beschnitzter Thronstuhl des Qianlong-Kaisers aus Zitanholz, eingeliefert von einer um 1910 in Beijing gebildeten Privatsammlung, war das Spitzenlos von Sotheby?s Hongkong-Auktionen: Er wurde für 86 Mio. HK-Dollar oder 11 Mio. US-Dollar einem asiatischen Sammler zugeschlagen. Ein Rekordpreis für ein chinesisches Möbel.

Sotheby?s durfte aufatmen. Die Auktionswoche bewies, dass die Erholung des Kunstmarkts von Osten kommt. 2 400 Lose brachten insgesamt 1,3 Mrd. HK-Dollar ein (166 Mio. US-Dollar), das dritthöchste Ergebnis für Sotheby?s in Hongkong, übertroffen nur von den Auktionswochen im Oktober 2007 und im Frühjahr 2008. Man ist also schon wieder auf einem völlig akzeptablen Umsatzniveau. Der Umsatz von 88 Prozent über der Frühjahrsserie: Die von Chinas Konjunkturanreizen gestärkte Liquidität und die Flucht in alternative Anlageformen lässt den Markt schneller wachsen, als sogar Optimisten erwarteten.

Einen besonderen Anteil hatten Juwelen und Wein. Hongkong ist innerhalb von 18 Monaten aus dem Stand zum wichtigsten Weinmarkt der Welt geworden. Chinesen legen in Erwartung guter Zeiten erlesene Weinkeller an und scheuen keine Kosten: Das zeigt der Rekordpreis von 726 000 HK-Dollar (64 000 Euro) für eine "Imperial"-Flasche Chateau Petrus von 1982 (6 Liter). Zwei amerikanische Keller wurden praktisch ohne Rückgang verkauft, zu 99 Prozent an Asiaten. Nichts könnte die neue Richtung der Wohlstandsströme besser illustrieren.

Bei der Kunst hat Tradition wieder die Oberhand. Contemporary Art war mit einem Absatz von 77 Prozent einigermaßen stabil, aber nur ein Los, Zhang Xiogangs Diptychon "Comrade" schaffte mit umgerechnet 1,1 Mio. US-Dollar die Millionen-Grenze. Es war im letzten Jahr in der Londoner Saatchi Galerie zu sehen, Saatchi hatte es 2006 in New York für 822 400 Dollar ersteigert. Andere Lose mit Saatchi-Provenienz, darunter ein Schießpulver-Bild von Cai Guoqiang und ein Zeng Fanzhi, blieben unverkauft.

Höhere Preise wurden für klassische Meister des 20. Jahrhunderts bezahlt. "Lotusblüten und Goldfische" von dem modernen Meister Sanyu (1901-1966), um 1955 gemalt, 179 cm breit, brachte die doppelte Schätzung von 4,7 Mio. US-Dollar. Schon in der Frühjahrsauktion zeigte sich, dass für die noch unterbewertete chinesische Moderne eine Preisaufwertung anstehen könnte, wenn sich der Markt voll erholt hat. Das würde bedeuten, das die Erholung der Contemporary Art langsamer vorangeht.

Am größten ist die Zuversicht jetzt wieder beim traditionellen Kunsthandwerk. Die Auktion brachte 55 Mio. US-Dollar, viermal so viel wie die Contemporary Art. Im Herbst 2007, auf dem Höhepunkt des Booms, hatte der Contemporary-Umsatz die traditionelle Kunst zum ersten Mal überflügelt. Nun vervierfachte nicht nur der Zitanthron die Schätzung. Eine blauweiße Mondflasche, eine feine und seltene Qianlong-Kopie eines Ming-Vorbildes, verdoppelte die Schätzung auf umgerechnet 5,1 Mio. US-Dollar. Eine feine Celadon-Vase mit drei Bocksköpfen, die 2006 noch 8,8 Mio. HK-Dollar gekostet hatte, wurde nun für 20,2 Mio. HK-Dollar (2,6 Mio. US-Dollar) weitergereicht. Geboten wurde wählerisch. Aber während nach Losen nur 56 Prozent abgesetzt wurden, betrug der Absatz nach Wert 86 Prozent. Das heißt, Kenner bezahlen für die edelsten Lose hohe Prämien.

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent

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