Hongkong
Neue Milliardäre mischen den Markt auf

32 Millionen US-Dollar für eine Vase oder 16,7 Millionen für einen Weihrauchbrenner: Chinas Neureiche kennen kaum Grenzen. Christie?s und Sotheby?s Auktionen in Hongkong liefen wieder einmal grandios. Allerdings werden auch Warnungen vor einer neuen Blase bei der zeitgenössischen Kunst laut.
  • 0

LONDON. Was gut und teuer ist, wandert nach Osten. Unternehmen, Investitionen, Kunst, sogar die Grands Crus des Musical-Komponisten Andrew Lloyd Webber. Im Januar lässt er von Sotheby?s wieder Wein aus seinem Keller versteigern - Schätzung drei bis vier Millionen Dollar -, aber diesmal in Hongkong. Seit den jüngsten Rekorden weiß man, dass Château Lafite nirgends so viel bringt wie im neuen Wein-Auktionszentrum der Welt.

Die Auktionen dieses Herbstes haben gezeigt, wie die neuen asiatischen Milliardäre den Kunstmarkt verändern. Christie?s neuer CEO, der Amerikaner Steven Murphy, staunte bei seiner ersten Hongkong-Woche Anfang Dezember, mit welchem Tempo sich Hongkong auf Augenhöhe mit den westlichen Konkurrenten London und New York schraubt: "Es war ein perfekter Sturm."

Der Sturm treibt Luxus von Westen herüber. Bei Christie?s standen westliche Starsammlungen zum Verkauf an. Erst chinesische Kunst des einstigen Chrysler Chefs Gerald M. Greenwald, dann die Sammlung des kalifornischen US-Grundstücksmilliardärs Walter H. Shorenstein, zuletzt als Krönung Schätze, die der englische Textilmagnat Alfred Morrison im 19. Jahrhundert für sein Schloss Fonthill erwarb.

Sieht man von einem 23 Millionen US-Dollar teuren rosafarbenen Diamanten ab, waren Morrisons Weihrauchbrenner in Form lebensgroßer Kranich-Paare in feinstem Cloisonné-Emaille das Spitzenlos der Woche. Morrison kaufte diese "Boten von Harmonie und Frieden" vom Hof des Yongzheng-Kaisers 1861 dem englischen Kolonialverwalter Lord Loch ab, der sie vermutlich im Rahmen eines "Militärengagements" im "Garten der vollkommenen Helligkeit" in Peking in seinen Besitz brachte. Den Zuschlag bekam Supersammler Joseph Lau für 16,7 Millionen Dollar - etwa der Preis, den er 2007 für seinen "Mao" von Andy Warhol bezahlte.

Eine Mondflasche, die 1987 54 000 Dollar gekostet hatte, kam auf 16 Millionen Dollar

Ein anderer West-Ost-Wanderer war die mit rosafarbener Aufglasur dekorierte blau-weiße "Mondflasche" der Qianlong-Zeit, die Jahrzehnte im Sammlungsschrank der Shorensteins stand. Diese hatten sie beim New Yorker Händler J.J.Lally erstanden, der sie 1987 in Hongkong bei Sotheby?s für 418 000 HK-Dollar ersteigerte - damals 53 650 US-Dollar. Nun bezahlte ein chinesischer Sammler 16 Millionen Dollar.

Wie man die Zahlen dreht und wendet - immer kommt in Hongkong Großartiges heraus. Christie?s hatte die umsatzstärkste Auktionswoche - nach Sotheby?s 400-Millionen-Dollar-Auktionswoche im Oktober. Mit umgerechnet 414 Millionen US-Dollar verdoppelte Christie?s Umsatz die Schätzung und annähernd den Vorjahresumsatz. In den fünf Tagen wurden 69 Kunstwerke verkauft, deren Preise über einer Million Dollar lagen. In zwei Auktionswochen in diesem Jahr setzte Christie?s in Hongkong nun 708 Millionen Dollar um - 75 Prozent des gesamten USA-Umsatzes des Hauses im Jahr 2009.

Laut Christie?s Hongkong-Direktor Jonathan Stone treffen ein starkes Angebot aus dem Westen und unbändige Kauflust aus dem Osten glückhaft zusammen. Seit fünf, sechs Jahre treiben aggressive Auktionsbieter aus China die Preise für chinesische Kunst nach oben. Aber nun expandiert der Markt mit einem Tempo, das den Experten Schwindel verursacht. Im letzten Jahr verdoppelte sich die Zahl der Chinesen in Christie?s Kundenkartei, sagt Stone.

Seite 1:

Neue Milliardäre mischen den Markt auf

Seite 2:

Kommentare zu " Hongkong: Neue Milliardäre mischen den Markt auf"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%