Hongkong
Qualitätsauslese bei asiatischer Kunst

Bei Sotheby's ließ sich der zweite Teil der Sammlung Ullens gut absetzen. Und eine Ming-Vase aus Schweizer Privatbesitz kostete sogar 21 Millionen US-Dollar.
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LondonSeit der Weindurst der reichen Chinesen Hongkong vor zwei Jahren zum Zentrum des Welt-Weinmarkts machte, waren Weinauktionen dort immer zu 100 Prozent verkauft. Nun aber blieben zum ersten Mal ein paar Kästchen Château Petrus liegen. Kann man daraus schon das Ende des Luxusbooms in China ableiten, wie einige forsche Kommentatoren spekulierten?

Knapp sieben Prozent blieben in der Weinauktion insgesamt liegen, aber die umfangreiche amerikanische Weinkollektion hatte dann doch den üblichen „White glove“-Erfolg eines Verkaufs zu 100 Prozent. Zum Vergleich: Anfang Oktober blieben bei einer Weinauktion in London 17 Prozent und nach Wert sogar 24 Prozent unverkauft. Das sind die normalen Verhältnisse.

Sotheby’s verfehlte in Hongkong auch einen neuen Umsatzrekord für die Herbstserie. Aber mit umgerechnet 411 Millionen US-Dollar Gesamteinnahme, entsprechend der oberen Schätzung und einem Absatz von über 3000 Losen kann das Auktionshaus nicht klagen. Zumal eines der Spitzenstücke, die „Meiping“-Schultervase der Yongle-Zeit, mit 21 Millionen Dollar einen Rekord brachte.

Dennoch war es das zweitbeste Resultat von Sotheby’s in Hongkong. Kein schlechtes Ergebnis in Anbetracht der sich auch in China abschwächenden Konjunktur und der Angst vor einer Weltrezession. Der Jahresumsatz in Hongkong habe zusammen mit Privatverkäufen eine Milliarde US-Dollar überschritten, meldet das Auktionshaus.

Die Rückgangsraten waren etwas höher als im Vorjahr, vor allem bei der zeitgenössischen Kunst, wo in der Hauptauktion 23 Prozent der Lose unverkauft blieben. Aber das heißt, dass die Chinesen auch hier wieder wählerischer werden, wie sie es beim Kunsthandwerk schon lange sind. Das ist letztendlich das Zeichen eines gesunden Marktes.

Denn die Spitze bleibt stark, was der zweite Teil der Sammlung Ullens zeigte. Die Offerten der belgischen Sammler mit Sitz in Schanghai wurden zu knapp 94 Prozent verkauft und von den bekannten Künstlern angeführt: Zeng Fanzhis „Mask Series 1998 No. 26“ kostete umgerechnet 2,6 Millionen US-Dollar, Liu Yes’ „Porträt Qi Baishi“, eine ironische Ehrung des Traditions- und Blumenmalers, verdoppelte mit 1,8 Millionen US-Dollar die untere Taxe.

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  • Wer hohe Beträge für Kunst ausgibt, geht ein gewisses Risiko ein, dass er einer Fälschung aufsitzt. Derartige Schlagzeilen betrafen vor allem westliche Kunst, siehe http://www.spiegel.de/thema/kunstfaelschungen/
    Ich fürchte, dass chinesische Kunst sich noch leichter fälschen lässt. Bei alter chinesischer Kunst gibt es anscheinend keine vergleichbare Tradition der kunsthistorischen Forschung an Universitäten, und bei zeitgenössischer Kunst vermute ich auch gewisse Lücken in Sachen Werkverzeichnisse etc. Wer diese hohen Summen ausgibt, vertraut darauf, dass ein berühmter Sammler gleichzeitig ein bedeutender Experte ist, dem man nichts Falsches andrehen kann, und dass das Auktionshaus Sotheby’s hervorragende Experten hat. Allerdings war in den Fall eines falschen Bildes von Max Ernst aus der Sammlung Jägers zumindest auch der ehemalige Direktor von Sotheby's in Frankreich verwickelt, Marc Blondeau.
    http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article13581301/Wie-man-mit-Kunstfaelschung-16-Millionen-ergaunert.html

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