Hongkong
Zynische Grinsemänner für 4,2 Millionen Dollar

Christie's federt die launische Nachfrage nach zeitgenössischer chinesischer Kunst klug ab. In einer Hongkong- Auktion wurden auch begehrte Werke der Moderne versteigert.
  • 0

LondonDie Auktion war ein Meilenstein, der opulente Katalog wie die Geburtsurkunde einer neuen Epoche. Zum ersten Mal versteigerte Christie's in einer Gala-Abendauktion in Hongkong moderne Kunst aus dem gesamten asiatischen Raum, statt nach Ländern und Epochen zu trennen: moderne Kunst aus China trifft zeitgenössische Kunst, chinesische Werke auf solche aus Indonesien, Korea, Indien und Japan.

So standen Werke des Konzeptkünstlers Cai Guo-Qiang, der 2007 einmal den Rekordpreis für zeitgenössische chinesische Kunst aufstellte, neben dem Großvater der chinesischen Moderne, Wu Guanzhong, und dem Vater des chinesischen Realismus, Chen Yifei. Künstler wie der Japaner Foujita waren vertreten, der sein Leben lang in Frankreich arbeitete und bisher in Auktionen westlicher Kunst versteigert wurde. Nun verfünffachte sein Gemälde eines Pariser Clochards die Schätzung auf umgerechnet 652 236 US-Dollar brutto.

Ein noch wichtigerer Heimkehrer war der Chinese Zao Wou-Ki (*1920), der in den Nachkriegsjahren zur „Ecole de Paris“ zählte, um dessen Abstraktionen sich aber nun chinesische Sammler reißen, als sei er Chinas Jackson Pollock. Zao Wou-Ki stellte die drei Toplose der Galaauktion. Zwei seiner aus westlichen Sammlungen eingelieferten Bilder verdreifachten mit je 4,5 Millionen US-Dollar die Schätzung.

Pan-asiatische Kunst soll laut Christie's als neue Sammelkategorie gleichberechtigt neben die Versteigerungen moderner westlicher Spitzenkunst in New York und London treten. Denn Asiaten kaufen zwar inzwischen Kunst von Michelangelo, Turner und Picasso - aber sie setzen vor allem auf ihre eigenen Helden.
Wer mithalten will, muss im Westen schleunigst die neuen Namen lernen. Was abläuft, bezifferte Bill Ruprecht, CEO von Christie's Konkurrent Sotheby's, jüngst in einer Bilanzpressekonferenz mit Zahlen: Umgerechnet vier Milliarden US-Dollar investieren die Chinesen jährlich in ihre eigene Malerei - mehr als Christie's und Sotheby's mit westlicher moderner Malerei aller Kategorien umsetzen.

Sotheby's machte vor vier Jahren noch vier Prozent seines Umsatzes in China. 2011 sind es bereits 35 Prozent. Ruprecht spricht vom "dramatischsten Umschlag der Konsumentendemografie seit 270 Jahren" und nennt ihn noch radikaler als der „Art Rush“ des frühen 20. Jahrhunderts, als die neureichen amerikanischen „Räuberbarone“ begannen, Kunstsammlungen europäischer Adelshäuser aufzukaufen.

Seite 1:

Zynische Grinsemänner für 4,2 Millionen Dollar

Seite 2:

Unübersehbar ist der Trend zu traditionelleren Werken

Kommentare zu " Hongkong: Zynische Grinsemänner für 4,2 Millionen Dollar"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%