Horst P. Horst
Farbsensation in zwei Dimensionen

Der Modefotograf Horst P. Horst war ein Virtuose im Umgang mit Farben. Das zeigen Neuabzüge der lange unter Verschluss gehaltenen Aufnahmen aus dem Condé Nast Archiv bei Bernheimer in München.
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MünchenWem es gelingt, aus dem Farbfoto einer schönen Frauenhand mit rot lackierten Fingernägeln und teurem Cartier-Schmuck ein Ereignis zu machen, der versteht etwas von seinem Fach. Die Rede ist von dem amerikanischen Fotografen Horst P. Horst (1906-1999), den das Victoria & Albert Museum in London gerade mit einer international beachteten Retrospektive gefeiert hat. Parallel zeigt die Münchener Galerie Bernheimer Fine Art Photography, die den Horst Estate nun auf dem europäischen Kontinent vertritt, eine Auswahl bislang noch nicht öffentlich ausgestellter Farbfotografien.

1942 erschien die Aufnahme der Hand in der Vogue. Seit 1931 war der aus Deutschland stammende Horst, der eigentlich Architekt werden wollte und kurz bei Le Corbusier volontiert hatte, bereits für die Modezeitschrift im Einsatz. Er galt als Superästhet, als einer, der nichts dem Zufall überließ. Sein Markenzeichen: das dramatische Licht, für das er mitunter tagelange Vorbereitungen treffen musste. Ein Stilmittel, das seinen berühmten Schwarzweißfotografien wie dem Rückenakt „Mainboucher-Corset“ (1939) ihre einzigartige und nicht wiederholbare Wirkung verleiht.

Stilisierte Explosion

Wenig Requisiten und Farben übernehmen auf dem Hand-Foto die Hauptrolle. Als Hintergrund wählte Horst schwarzen, auf der Rückseite strahlend weißen Karton mit einem mittig großzügig ausgerissenen Loch, das den Blick auf eine knallrote Unterlage freigibt. Mehr Kulisse brauchte der Fotograf nicht für seine Inszenierung. Das Spiel mit farbigem, gerissenem Karton, eine Art stilisierte Explosion, die leise Geste der geschmückten Hand, die einen Bleistift hält – alles sitzt bis aufs Detail.

35 Inkjet-Prints umfasst die Offerte bei Bernheimer, die Mehrzahl in riesigen Formaten, von denen das eine oder andere gerahmt sogar maximal auf 2 Metern Höhe kommt. So wie „Muriel Maxwell“ (1939), die das strahlende Scheinwerferlicht mit einer weiß gerahmten Sonnenbrille enormen Ausmaßes pariert und sich dabei ihre Lippen passend zur Handtasche (Paul Flato) rot schminkt; noch so ein Hingucker. Kostenpunkt für den dritten Abzug aus einer Zehner-Serie mit Rahmung: 23.500 Euro. Wer bei Nummer 4 der Edition zugreifen möchte, muss wegen der zu Grunde gelegten Staffelpreise einen höheren Betrag zahlen. Mit jedem Verkauf wird die Restauflage also teurer.

 

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Farbsensation in zwei Dimensionen

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Entdeckung am Victoria & Albert Museum

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