Hossein Mousavi
"Meditationen der Freiheit"

Einst ein Premierminister - heute ein Künstler. Mir Hossein Mousavi gehört zu den schillernden Persönlichkeiten des Iran. In seinem Heimatland wird er als Symbolfigur für freiheitliche Gedanken verehrt; von dem Regime seit mehr als zwei Jahren unter Hausarrest gestellt. Die Akademie der Künste in Berlin zeigt nun seine Werke auf Papier.
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BerlinDer Berliner Akademie der Künste ist ein beachtlicher Coup geglückt: Zum ersten Mal überhaupt sind jetzt außerhalb des Iran Arbeiten des Künstlers und Politikers Mir Hossein Mousavi zu sehen. Er zählt zu den Zentralfiguren der oppositionellen „grünen Bewegung“, die vor vier Jahren gegen Machtmissbrauch, Rechtsbeugung und Korruption im Iran demonstriert hat. Mousavi befindet sich seit mehr als zwei Jahren zusammen mit seiner Frau in Teheran unter Hausarrest. Die Ausstellung in Berlin, die nach Auskunft von Akademiepräsident Klaus Staeck durch Vermittlung von Anhängern der grünen Bewegung zustande kam, ist nun zeitgleich mit den Präsidentschaftswahlen im Iran am 14. Juni zu sehen.

Ehemaliger Premierminister

Mousavi zählt zu den schillernden Persönlichkeiten der iranischen Politik. Von 1981 bis 1989, während des ersten Golfkriegs gegen den Irak, war er Premierminister des Landes. In seiner Amtszeit kam es zu zahlreichen Hinrichtungen und politischen Morden. Zeitgleich war er Präsident der Akademie der Künste in Teheran. Nach seinem Ausscheiden aus der Politik arbeitete er als Architekt, Stadtplaner und Maler, bis er 2009 überraschend wieder auf der politischen Szene auftauchte. Bei den damaligen Präsidentschaftswahlen kandidierte er gegen den Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad. Dieser ging offiziell als Sieger aus den Wahlen hervor, was Mousavi jedoch öffentlich in Frage stellte. Sein Vorwurf der Wahlfälschung war einer der Auslöser der Massenproteste, die schließlich blutig niedergeschlagen wurden. Die Anführer der Bewegung festzunehmen wagte das Regime jedoch nicht. Stattdessen wählte man im Februar 2011 das Mittel des Hausarrests.

Ornament und Löwe

Die in Berlin gezeigten knapp 30 Papierarbeiten Mousavis sind in den Jahren vor seiner Arrestierung entstanden. Die Bilder sind eine moderne Paraphrase auf traditionelle islamische Kunstformen. Ornamente, kalligrafische Elemente – allerdings eine Kunstsprache ohne konkrete Bedeutung – und symbolische Motive wie Granatäpfel, Löwen oder Leitern sind auf den luftigen Blättern zu erkennen. Mousavi arbeitet nicht nur mit Farben, sondern bearbeitet das Büttenpapier auch mit einem Brenner, mit Siegellack, Wachs und anderen Materialien. Ein hohes kompositorisches Bewusstsein und eine assoziative Freiheit sind zu spüren. „Meditationen der Freiheit“ nennt Akademiepräsident Staeck diese Bilder bei der Eröffnung der kleinen Schau.

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Symbol für die Freiheit

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