Kultur + Kunstmarkt
Hungern für das Bild

Die Pariser Miro-Ausstellung illustriert den Weg des Künstlers zur Traummalerei.

Auf Fotos von Man Ray blickt der gut aussehende Spanier Joan Miro (1893 - 1983) den Betrachter wie ein ewig Jugendlicher an. Auf seinem „Selbstbildnis“ aus dem Jahre 1919 malte sich Miro mit einem regelmäßigen, fast karikaturistischen Puppengesicht, das er während seiner bewusst naiven Frühperiode auch auf seine anderen Modelle übertrug. Das Centre Pompidou zeigt noch bis zum 28. Juni die wenig bekannte Werkperiode Miros von 1917 bis 1934, während der er sein Bildvokabular erarbeitete.

Erfreut und überrascht entdeckt man Miros Experimente mit den kräftigen Farben der „Fauves“ auf seinen frühen Landschaftsbildern und Stillleben. Beeindruckend sind auch die streng geometrischen Formen der Kubisten, die er mit figurativen Elementen kombiniert – zum Beispiel für einen „Frauenakt“ von 1919, in dem der Körper – wie elf Jahre davor bei Pablo Picasso – durch gerade und schräge Linien verfremdet wird. Dank der Freundschaft mit den Surrealisten, die Miro in den frühen zwanziger Jahren in Paris trifft, lotet er die surrealistische Arbeitsmethode aus. Konkret: Er verändert seine Wahrnehmung durch Traumarbeit oder Hungerzustände.

Indem Miro alle avantgardistischen Kunstrichtungen der ersten zwanzig Jahre des 20. Jahrhunderts durchexerziert, entwickelt er seinen eigenen Stil, was die Pariser Ausstellung perfekt zeigt. Einige Bildelemente wie eine Spinne, ein Auge, eine Brust oder nierenähnliche Formen kommen vor allem in der Malerei der zwanziger Jahre, die stark vom Surrealismus geprägt ist, wiederholt vor.

Ein auffallendes, amüsantes Charakteristikum sind die gemalten Worte und Zahlen, die wie ein Rebus entziffert werden können. Selbst Signatur und Datierung sind integrierender Teil der Gemälde. Eines der Meisterwerke der Ausstellung ist das aus der Sammlung René Gaffé stammende „Portrait de Madame K“ von 1924, das die Körperteile der Dame keck über die Bildfläche verstreut. Im Jahr 2001 wurde „Madame K“ in New York von einem Privatsammler für 12,65 Millionen Dollar ersteigert. Allein für dieses Gemälde, das seit 1964 nicht mehr in einer Ausstellung zu sehen war, lohnt sich die Reise nach Paris.

Darüber hinaus gibt es noch 120 Zeichnungen, Collagen, Skulpturen und 120 Gemälde, der Großteil aus den USA. Miro wird so zum lustvollen Reiseziel.

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