„Ich bin groß, ich bin gemein, ich bin glatzköpfig – ich bin Deutscher!“
Ein Fiesling für alle Fälle

Ob in Hollywood oder bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg: Der Schauspieler Götz Otto mimt den Bösewicht.

Genau 20 Sekunden hatte Götz Otto Zeit, um beim Casting für den James- Bond-Streifen „Der Morgen stirbt nie“ vorzusprechen. „Ich bin groß, ich bin gemein, ich bin glatzköpfig – ich bin Deutscher!“ Ihm reichten fünf, um die Hollywood-Agenten zu überzeugen. Dann hatte der bis dahin eher unbekannte Schauspieler die Rolle des 007-Gegenspielers ebenso in der Tasche wie eine Karriere in Weltformat. Fünf Sekunden, die sein Leben veränderten.

Das war 1997. Seitdem ist der 37-jährige 1,98-Meter-Mann mit den stahlblauen Augen und den markanten Gesichtszügen in die Superliga der Film-Bösewichte aufgestiegen. Wenn irgendwo ein gemeiner Deutscher auf der Leinwand gebraucht wird, ist Götz Otto zur Stelle. Zuletzt spielte er Hitlers Adjutant Otto Günsche in „Der Untergang“. Jetzt hat der gebürtige Offenbacher SS-Uniform gegen Westernkluft getauscht – und gibt wieder den Schurken. Doch diesmal agiert Otto nicht vor laufenden Kameras, sondern vor täglich wechselnden Zuschauern.

Zwei Monate lang sitzt er bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg fest im Sattel. Im Stück „Winnetou und das Geheimnis der Felsenburg“ mimt er den fiesen Gangster Harry Melton, der einen Siedlertreck arglistig in den Hinterhalt lockt. Wochenlang hat sich Götz Otto mit intensivem Reittraining auf seinen Part im malerischen Freilichttheater vorbereitet und jede Minute genossen. Grinsend gesteht er: „Die Arbeit macht Mordsspaß. Das hat was von Sandkastenträumen.“ Schon als kleiner Junge habe er gerne Cowboy gespielt und alle Winnetou-Schallplatten auswendig gekonnt. Noch heute sammelt er in einer Glasvitrine „Cowboy- und Indianer-Männchen aus Elastolin“.

Lässig streckt Otto seine Reitstiefel unter eine Holzbank der Halbarena. Sein Blick geht über die 8 000 Zuschauer fassende Tribüne zum weiß schimmernden Kalkberg. „Gibt es eine imposantere Kulisse?“ fragt der Hüne. „ Die hat mich überzeugt.“ Entscheidend für seine Zusage in Bad Segeberg seien aber auch „die zwei Privilegien eines Bühnenschauspielers“ gewesen: „Der direkte Kontakt zum Publikum, weil da spürbare Energie fließt, und das Privileg, probieren zu können und eine Figur zu entwickeln. Schließlich komme ich ursprünglich vom Theater.“

Rund 30 Bühnen-, Fernseh- und Kinorollen hat Götz Otto gespielt, seit er nach verweigertem Wehrdienst und abgeschlossenem Schauspielstudium 1993 vom Fleck weg in Steven Spielbergs Oscar-prämiertem Holocaust-Drama „Schindlers Liste“ als SS-Soldat besetzt wurde. Sein Fazit: „In Hollywood wird auch nur mit Wasser gekocht, aber in einem größeren Topf.“

Seither hat er regelmäßig Theater gespielt und vor der Kamera die verschiedensten Figuren verkörpert: einen Türsteher in „Nach fünf im Urwald“, einen Drogendealer im Polizeiruf 110, dann eine Hardcore-Schwuchtel im spanischen Kinoerfolg „Das Mädchen meiner Träume“ und einen Transvestiten in der französischen Verwechslungskomödie „Meine Frau heißt Maurice“.

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